Die Eufy Wall Light Cam S4 ist ohne Vorwarnung in Deutschland gestartet, Amazon listet die Kombination aus Außenkamera und Wandleuchte seit gestern für 249,99 Euro. Damit ist eufy in einer Preisklasse angekommen, in der ich die Marke bisher nicht einsortiert hätte. Der Vorgänger steht aktuell für 75 Euro im Regal.
- Die Eufy Wall Light Cam S4 ist ab sofort in Deutschland erhältlich, Amazon listet sie für 249,99 Euro.
- Statt PIR-Bewegungsmelder arbeitet ein 60-GHz-Radar mit 120 Grad Erfassung und bis zu zwölf Metern Reichweite, das Fehlalarme reduzieren soll.
- 4K-Auflösung mit f/1.6-Blende, abnehmbares Solarpanel mit Verlängerungskabel, IP65, weißes und farbiges Licht, keine Abogebühren.
- Kein Matter, kein PoE, kein USB-Dauerstrom, und der Vorgänger S120 kostet aktuell nur 75 Euro.
Eufy Wall Light Cam S4: Radar sieht, was der Bewegungsmelder verschläft
Die interessanteste Änderung steckt nicht in der Kamera, sondern im Bewegungsmelder. Statt des üblichen PIR-Sensors (Passiv-Infrarot, reagiert auf Wärmebewegung) verbaut eufy einen 60-GHz-Radarsensor. Der sendet aktiv Funkwellen aus und misst deren Reflexion, erkennt Bewegungen dadurch auf bis zu zwölf Meter in einem 120-Grad-Feld und lässt sich von warmen Luftschichten oder wehenden Pflanzen deutlich seltener täuschen als Infrarot.
Auf dem Papier heißt das: weniger Fehlalarme, wenn nachts die Hecke wackelt. Ich habe bei solchen Erkennungs-Versprechen allerdings eine Angewohnheit entwickelt, seit ich den Kollisionsschutz meines Schreibtischs mit einer Styroporplatte getestet habe und der Tisch sie auf keiner Empfindlichkeitsstufe bemerkt hat. Beworbene Sensorik glaube ich erst, wenn sie jemand mit einem Gegenstand aus dem Keller nachgeprüft hat. Beim Radar der S4 steht dieser Test noch aus.
Die Kamera selbst löst mit 4K auf, die Blende von f/1.6 holt vergleichsweise viel Licht auf den Sensor, und die Erkennung unterscheidet Personen, Fahrzeuge und Haustiere. Licht und Sirene lassen sich als Reaktion auf Bewegung schalten, die Leuchte kann weißes und farbiges Licht mit anpassbarer Farbtemperatur.
Solar statt Steckdose, aber ohne Plan B
Strom bezieht die S4 aus einem Akku, den ein Solarpanel nachlädt. Neu gegenüber der S120: Das Panel lässt sich abnehmen und mit beiliegender Halterung samt Verlängerungskabel getrennt positionieren, etwa aus dem Schatten der Dachkante heraus. Nach IP65 ist das Ganze gegen Regen und Staub geschützt, laufende Gebühren verlangt eufy nicht, wie iphone-ticker im Start-Bericht zusammenfasst.
Was fehlt, fällt bei diesem Preis stärker auf als früher. Ein Anschluss für Dauerstrom per USB ist nicht vorgesehen, PoE (Power over Ethernet, Strom übers Netzwerkkabel) ebenfalls nicht. Wer die Kamera an einer schattigen Nordwand montiert oder durchgehend aufzeichnen will, hat keinen Ausweichplan. Und Matter spricht die S4 nicht, sie bleibt in der eufy-Welt mit den üblichen Brücken zu Alexa und Google.
Vom 75-Euro-Regal ins Premium-Segment
Bleibt der Preis. Die Eufy Wall Light Cam S4 kostet mehr als das Dreifache dessen, was die noch erhältliche Wall Light Cam S120 aktuell aufruft. Ein Teil davon ist Technik, Radar und 4K gab es in dieser Geräteklasse zu diesem Preis bisher nicht. Der andere Teil ist Strategie. Eufy baut sich gerade sichtbar um, vom Preisbrecher zur Premium-Marke mit KI-Assistent in der App und wachsendem Portfolio bis hin zum Mähroboter-Ableger.
Das Argument gegen den Aufpreis liefert eufy selbst: keine Abogebühren. Eine Ring-Kamera in ähnlicher Ausstattung kostet weniger, holt sich die Differenz aber über Jahre per Abo zurück. Auf drei Jahre gerechnet relativieren sich die 250 Euro. Schön reden muss man sie deshalb nicht.
Für wen lohnt sich das? Für Leute mit sonniger Hauswand, die eine Leuchte samt Kamera ohne Folgekosten wollen und Fehlalarm-Müdigkeit aus der PIR-Welt mitbringen. Wer dagegen Dauerstrom, Matter oder offene Standards braucht, bekommt hier viel Technik in einem geschlossenen System. Ich warte auf den ersten Test, der das Radar mit etwas Wackelndem aus dem Keller konfrontiert.





