Werbung im Monitor klang für mich bis gestern nach einem schlechten Scherz, schließlich ist der PC-Monitor der letzte große Bildschirm im Haus, der einfach nur anzeigt, was man ihm gibt. Dann habe ich bei Ars Technica nachgelesen, was LG-Monitore seit 2024 so treiben: Sie installieren über Windows Update eine eigene App auf fremde Rechner, und die schob zwischenzeitlich Popup-Werbung für McAfee-Virenscanner auf die Desktops der Besitzer. Der Fernseher-Krankheit wächst gerade ein zweites Zuhause.
- Bestimmte LG-Monitore installieren über Windows Update den LG Monitor App Installer, der zeitweise McAfee-Popup-Werbung auf verbundene PCs schob.
- Erst nach Eingreifen von Microsoft entfernte LG die Virenscanner-Werbung, die App selbst bleibt und darf laut Store-Eintrag alle Systemressourcen nutzen.
- Smart Monitors von LG und Samsung laufen auf denselben Werbe-Betriebssystemen wie die Smart-TVs der Hersteller, inklusive ACR-Tracking.
- Wer werbefrei bleiben will, hält den Monitor vom Netz fern, prüft installierte LG-Apps unter Windows und sucht die ACR-Schalter in den Einstellungen.
Ein Treiber, der in Wahrheit ein Werbekanal ist
Der Mechanismus ist bemerkenswert dreist. Wer bestimmte LG-Monitore an einen Windows-Rechner anschließt, bekommt über Windows Update unscheinbar den LG Monitor App Installer untergeschoben, getarnt als Treiber-Aktualisierung. Offiziell soll die App laut LG nur passende Zusatz-Software für den Monitor anbieten. Praktisch zeigte sie Popup-Werbung, erst für LG-eigene Tools, dann für McAfee, berichtet Ars Technica. Erst als Microsoft einschritt, flog die Virenscanner-Werbung raus.
LG beteuert inzwischen, die App sammle keine persönlichen Daten. Im Microsoft Store steht allerdings weiterhin, sie dürfe alle Systemressourcen nutzen und auf die Internetverbindung zugreifen. Ein Monitor-Hersteller hat sich damit einen dauerhaften Software-Kanal auf Millionen fremder Rechner gelegt, und was darüber künftig ausgespielt wird, entscheidet er selbst.
Smart Monitors sind Smart-TVs mit anderem Standfuß
Die zweite Front reicht tiefer. Sogenannte Smart Monitors von LG und Samsung bringen einen Internetanschluss und ein eigenes Betriebssystem mit, praktisch für Videokonferenzen und Streaming ohne Rechner. Nur: Es sind exakt dieselben werbefinanzierten Systeme, die auch auf den Smart-TVs der beiden Hersteller laufen. Inklusive der Technik namens ACR. ACR = Automatic Content Recognition, die Bilderkennung im Gerät, die mitschneidet, was auf dem Schirm läuft, um daraus Werbeprofile zu bauen.
Dass das keine Theorie ist, haben unter anderem die Tester von RTINGS gezeigt, die bei Smart Monitors dasselbe Tracking-Verhalten wie bei Fernsehern beobachtet haben. Auf die Frage von Ars, ob ihre Smart Monitors ACR einsetzen, haben LG und Samsung bislang schlicht nicht geantwortet. Schweigen ist bei dieser Frage auch eine Antwort.
Unter Windows die installierten Apps nach LG Monitor App Installer durchsuchen und die App samt zugehöriger Monitor-Software deinstallieren, danach in den Windows-Update-Einstellungen optionale Treiber-Updates im Blick behalten. Einen Smart Monitor nur dann ins WLAN lassen, wenn seine Apps wirklich gebraucht werden, und in den Einstellungen alle Schalter rund um Werbung, Nutzungsdaten und ACR deaktivieren. Die sicherste Lösung bleibt ein klassischer Monitor ohne Betriebssystem.
Der Fernseher hat vorgemacht, wie man Kunden zweimal verkauft
Warum das gerade jetzt passiert, ist keine Verschwörungstheorie, sondern simple Betriebswirtschaft. Bei Fernsehern hat sich das Modell durchgesetzt, Geräte billig zu verkaufen und hinterher an Werbeeinblendungen und Datenhandel zu verdienen, Amazon baut sein Fire-TV-Geschäft seit Jahren genau auf dieser Rechnung auf. Monitore waren die letzte Geräteklasse ohne dieses Geschäftsmodell, weil sie klassischerweise nicht mal wissen, was sie anzeigen. Mit Smart Monitors fällt diese technische Unschuld, und die Werbung kriecht gerade ohnehin in jede Ritze, seit Kurzem sogar in ChatGPT.
Mein Monitor bleibt dumm, und genau das ist das Feature
Ich kaufe Monitore künftig noch bewusster nach einem Kriterium, das in keinem Datenblatt steht: keine eigene Intelligenz, kein WLAN, kein App-Store. Ein Bildschirm, der nicht ins Internet kommt, kann weder Werbung nachladen noch Sehgewohnheiten funken. Bei der Bildqualität verliere ich damit exakt nichts.
Wer einen Smart Monitor besitzt oder will, muss deswegen nicht verzweifeln, sollte aber zwei Dinge tun: das Gerät vom Netz lassen, solange die smarten Funktionen nicht gebraucht werden, und die ACR-Schalter in den Einstellungen suchen. Und Windows-Nutzer mit LG-Monitor werfen einen Blick in die installierten Apps. Was da ungefragt eingezogen ist, darf genauso ungefragt wieder ausziehen.
Fragen zur Werbung im Monitor
Welche Monitore zeigen Werbung an?
Dokumentiert ist der Fall bei verschiedenen LG-Monitoren, deren Zusatz-App über Windows Update auf den PC gelangt und dort Popups einblendete. Smart Monitors von LG und Samsung bringen zusätzlich die werbefinanzierten Betriebssysteme der Smart-TVs mit.
Wie kommt die LG-App überhaupt auf meinen Rechner?
Der LG Monitor App Installer wird beim Anschluss bestimmter LG-Monitore als optionales Treiber-Update über Windows Update eingespielt, ohne dass eine klassische Installation sichtbar wird. Er lässt sich wie jede App über die Windows-Einstellungen deinstallieren.
Was ist ACR und warum ist es problematisch?
Automatic Content Recognition erkennt im Gerät, welche Inhalte auf dem Bildschirm laufen, und meldet das für Werbeprofile zurück. Bei einem Monitor kann das theoretisch alles betreffen, was du am Rechner tust, nicht nur Filme und Serien.
Sind klassische Monitore ohne smarte Funktionen betroffen?
Nein. Ein Monitor ohne eigenes Betriebssystem und ohne Netzwerkverbindung kann weder Werbung nachladen noch Nutzungsdaten senden. Beim LG-Fall kam die Werbung über die Windows-App, nicht über das Display selbst, auch das lässt sich durch Deinstallation stoppen.





