ChatGPT Computer History ist die Funktion, mit der die Mac-App von OpenAI deine komplette Rechnernutzung mitschreibt, und seit Ende letzter Woche ist sie auch in der EU freigeschaltet. Microsoft hat für die fast gleiche Idee 2024 den größten Datenschutz-Shitstorm seiner Geschichte kassiert und Windows Recall danach mit Verschlüsselung gepanzert. OpenAI legt die Protokolle einfach als Klartext-Dateien ins Nutzerverzeichnis. Das ist keine Polemik von mir, sondern der Befund eines heise-Kurztests.
- Computer History erfasst über Apples Bedienungshilfen die komplette Mac-Nutzung, seit Ende letzter Woche auch in der EU.
- Nötig ist das Pro-Abo für rund 100 Euro im Monat oder eine Freigabe durch die Firmen-Administration, das Feature ist Opt-in.
- heise fand die Memory-Dateien unverschlüsselt als Klartext im Nutzerverzeichnis, gelöscht werden sie offenbar nie.
- Im Test war sogar eine als geheim markierte Notiz über den Chat abrufbar, das heise-Fazit: gruseliger als Windows Recall.
Was Computer History auf dem Mac mitschreibt
Computer History ist der Nachfolger des experimentellen Codex-Chronicle-Features und steckt in der offiziellen ChatGPT-App für macOS. Einmal aktiviert, erfasst es über Apples Bedienungshilfen, welche Apps du nutzt, inklusive Tastatur- und Mausaktivität. Zusätzlich verlangt die App die Berechtigung für Bildschirmfotos. Aus alldem baut ChatGPT laufend Zusammenfassungen deiner Rechner-Sitzungen, abrufbar über das Menüleisten-Icon, das während der Aufzeichnung ein petrolfarbenes Pixel trägt.
Immerhin: Das Ganze ist Opt-in und kein Standard. Einzelnutzer brauchen das Pro-Abo für rund 100 Euro im Monat, in Business- und Enterprise-Konten muss die Administration das Feature freigeben. Einzelne Apps und Websites lassen sich von der Erfassung ausschließen. Ob die Daten ins Modelltraining fließen, hängt laut heise am generellen Trainings-Schalter in den Account-Einstellungen.
Die Protokolle liegen offen im Dateisystem
Der eigentliche Aufreger steckt eine Ebene tiefer. ChatGPT legt regelmäßig sogenannte Memory-Dateien ab, Markdown-Textdateien mit deutlich detaillierteren Informationen als die App-Übersicht zeigt. Sie liegen unverschlüsselt und frei lesbar im Nutzerverzeichnis unter .codex/memories/extensions/skysight/resources und werden offenbar nicht gelöscht. Jede Software mit Lesezugriff auf dein Nutzerverzeichnis kann sie einsammeln, dafür braucht es keinen Angriff auf OpenAI, nur einen Blick in den richtigen Ordner.
Wie wenig die Schutzbehauptungen des Systems wert sind, zeigt das Detail, das mich am meisten stört: Die Tester riefen über das Kommando @Computer History im Chat eine Notiz ab, die in der Notizen-App ausdrücklich als geheim markiert war. Das Memory-File behauptete zeitgleich, die Notiz sei nicht sicher genug sichtbar gewesen, um sie zu lesen. Das Protokoll log also über den eigenen Inhalt, während der Chatbot die Daten längst hatte. heise fasst den Test entsprechend trocken zusammen: gruseliger als Windows Recall.
Wirf einen Blick auf das ChatGPT-Icon in der Menüleiste: Ein petrolfarbenes Pixel bedeutet aktive Aufzeichnung. Die Protokolle liegen im versteckten Ordner .codex/memories in deinem Nutzerverzeichnis, im Finder erreichbar über Gehe zum Ordner. Wer das Feature loswerden will, deaktiviert es in den App-Einstellungen, entzieht der App die Bedienungshilfen- und Bildschirmaufnahme-Rechte und löscht den Ordner von Hand.
Recall hatte am Ende wenigstens ein Schloss
Der Vergleich mit Windows Recall drängt sich auf, fällt aber unerwartet aus. Microsoft wurde 2024 zu Recht dafür zerlegt, die Bildschirm-Historie zunächst schlecht gesichert zu haben, und lieferte nach dem Aufschrei verschlüsselte Speicherung samt Windows-Hello-Sperre nach. OpenAI startet zwei Jahre später mit einem Konzept, das diese Lektion schlicht ignoriert: keine Screenshots auf der Platte, dafür Klartext-Protokolle ohne jede Verschlüsselung. Dass der Anbieter gerade erst Werbung in ChatGPT nach Deutschland gebracht hat, macht die Sammelwut nicht sympathischer.
Zur Einordnung gehört auch der Blick zur Konkurrenz: Gemini für macOS schaut ebenfalls auf deinen Bildschirm, aber pro Anfrage und als bewusstes Opt-in im Moment der Nutzung. Ein dauerhaft mitlaufendes Protokoll ist eine andere Kategorie von Datensammlung, und genau die sollte man nicht nebenbei aktivieren, weil ein neues Feature-Banner freundlich fragt.
Opt-in reicht nicht, wenn die Ablage offen steht
Ich nutze KI-Werkzeuge täglich und habe nichts gegen ein Feature, das mir sagt, womit ich meine Woche verbracht habe. Aber ein Totalprotokoll des eigenen Rechners ist das sensibelste Datenpaket, das ein Dienst anlegen kann, und wer so etwas anbietet, muss bei der Absicherung übertreiben statt zu sparen. Unverschlüsselte Klartext-Dateien, die nie gelöscht werden, sind das Gegenteil davon.
Mein Stand: Finger weg, bis OpenAI die Ablage verschlüsselt und eine echte Löschfunktion nachreicht. Microsoft hat gezeigt, dass genau das nach öffentlichem Druck erstaunlich schnell geht.
Fragen zu ChatGPT Computer History
Wer kann ChatGPT Computer History nutzen?
Einzelnutzer brauchen das Pro-Abo für rund 100 Euro im Monat. In Business- und Enterprise-Konten muss die Administration das Feature freischalten, aktiviert wird es immer per Opt-in.
Speichert Computer History Screenshots meines Macs?
Auf der Festplatte landen keine Screenshots, sondern Text-Zusammenfassungen und Memory-Dateien. Die App verlangt aber die Berechtigung für Bildschirmaufnahmen, womit theoretisch mehr möglich wäre, als dokumentiert ist.
Wie erkenne und deaktiviere ich die Aufzeichnung?
Ein petrolfarbenes Pixel am ChatGPT-Icon in der Menüleiste zeigt die aktive Erfassung. Abschalten lässt sich das Feature in den App-Einstellungen, zusätzlich solltest du die Bedienungshilfen-Rechte entziehen und den Ordner .codex/memories im Nutzerverzeichnis löschen.
Landen die aufgezeichneten Daten im KI-Training?
Das steuert offenbar der allgemeine Trainings-Schalter in den ChatGPT-Account-Einstellungen. Wer Computer History nutzt, sollte diesen Schalter vorher prüfen und im Zweifel deaktivieren.





