Philips Hue verkauft dir demnächst offenbar für 39,99 Euro einen Adapter, der die Wandpanels des direkten Konkurrenten kapert. Das Hue Wall Light Module steckt in einen freien Anschluss einer Nanoleaf-Shapes-Installation und macht aus den Panels ganz normale Hue-Leuchten. Ich musste die Meldung zweimal lesen, so etwas gab es im Smart-Lighting-Markt noch nie: Der Marktführer baut offizielles Zubehör für die Hardware der Konkurrenz.
- Das Hue Wall Light Module ist ein rund acht Zentimeter kleiner Adapter, der an einen freien Anschluss einer Nanoleaf-Shapes-Installation gesteckt wird.
- Unterstützt werden Hexagons, Triangles und Mini Triangles mit bis zu 100 Panels, die älteren Aurora-Panels bleiben außen vor.
- In der Hue-App gibt es fünf frei platzierbare Farbpunkte, Szenen und Entertainment statt Nanoleafs Einzel-Panel-Animationen.
- Der Preis soll bei 39,99 Euro liegen, die Vorstellung wird Anfang September erwartet, als Marktstart kursiert der 3. September.
Ein Acht-Zentimeter-Adapter am Anschluss des Konkurrenten
Technisch ist die Sache unspektakulär gelöst, und genau das macht sie clever. Das Wall Light Module ist ein kleiner weißer Adapter von knapp acht Zentimetern, der an einen freien Connector der Shapes-Installation gesteckt wird, berichtet Hueblog. Unterstützt werden die aktuellen Nanoleaf Shapes in den Varianten Hexagons, Triangles und Mini Triangles, mit bis zu 100 Panels pro Installation. Die älteren Aurora-Panels bleiben außen vor.
Einmal angesteckt, tauchen die Panels als Leuchte in der Hue-App auf und machen dort alles mit, was Hue-Lampen eben machen: Szenen, Zeitpläne, Automationen und auch Hue Entertainment, also das Mitleuchten bei Filmen und Spielen. Gefunkt wird per Zigbee und Bluetooth, Thread ist nicht an Bord.
Das Modul funkt Zigbee und Bluetooth, Thread fehlt. In Apple Home und anderen Matter-Systemen landen die Panels trotzdem, weil die Hue Bridge sie als Vermittler weiterreicht. Wie tief die Steuerung außerhalb der Hue-App reicht, ist noch offen.
Fünf Farbpunkte statt hundert einzelner Pixel
Der Haken steckt in der Steuerung. Nanoleaf spricht in der eigenen App jedes Panel einzeln an, daraus leben die aufwendigen Animationen, die über die Wand wandern. Die Hue-App reduziert dieselbe Installation auf fünf Farbpunkte, die sich frei im Farbkreis platzieren lassen und mit Hue-Szenen und -Effekten kombiniert werden. Das ist deutlich simpler, und für manche ist es vermutlich genau deshalb attraktiv.
Beim Nanoleaf Monitor Stand habe ich im Juli noch notiert, dass die spannendsten Funktionen nur mit der Nanoleaf-App gehen. Jetzt dreht Signify den Spieß um: Wer seine Shapes ohnehin nur als schicke Wandbeleuchtung nutzt und den Rest des Hauses mit Hue steuert, bekommt endlich alles in einer App. Wer die Panels wegen der Animationen gekauft hat, verliert beim Umstieg genau das, wofür er bezahlt hat.
Der dritte Hue-Leak in einer Woche, und ein Termin
Das Modul ist kein Einzelfall, Signify bohrt sein Ökosystem gerade an mehreren Enden auf. Erst gestern tauchte die Hue Play Sync Box Lite bei einem britischen Händler auf, eine abgespeckte Sync-Box für umgerechnet rund 130 Euro mit nur einem HDMI-Eingang. Davor war es die Kamera-Lösung für Hue Sync, die das Prinzip von Govee übernimmt. Und schon vor Wochen wurde ein Hexagon-Icon in der Hue-App entdeckt, das jetzt nachträglich Sinn ergibt.
Die Auflösung kommt bald: Hueblog erwartet die nächste Produktpräsentation in rund einer Woche, als Marktstart für das Wall Light Module kursiert der 3. September. Der Preis soll bei 39,99 Euro liegen. Ob hinter dem Adapter eine formale Partnerschaft mit Nanoleaf steckt oder Signify das Modul im Alleingang gebaut hat, ist bislang offen. Für Nanoleaf wäre Letzteres die unangenehmere Variante.
Signify holt sich die Wandkunst, ohne eigene zu bauen
Ich finde den Schachzug bemerkenswert unverschämt, im besten Sinne. Statt jahrelang eigene Wandpanels zu entwickeln, verkauft Signify für 40 Euro die Eintrittskarte in die Installationen des Konkurrenten und kassiert nebenbei dessen Kundschaft ins eigene Ökosystem. Für Hue-Haushalte mit Shapes an der Wand ist das Modul ein sinnvoller Kauf, endlich eine App weniger.
Wer seine Nanoleafs dagegen wegen der wandernden Farbverläufe liebt, sollte die Finger davon lassen, fünf Farbpunkte ersetzen keine hundert Pixel. Und falls sich herausstellt, dass Nanoleaf von dem Adapter genauso überrascht wurde wie ich: Dann wird der September noch unterhaltsamer als gedacht.
Fragen zum Hue Wall Light Module
Welche Nanoleaf-Panels unterstützt das Hue Wall Light Module?
Die aktuellen Nanoleaf Shapes in den Varianten Hexagons, Triangles und Mini Triangles, mit bis zu 100 Panels pro Installation. Die älteren Aurora-Panels werden nicht unterstützt.
Was kostet das Hue Wall Light Module und wann kommt es?
Berichten zufolge liegt der Preis bei 39,99 Euro. Die offizielle Vorstellung wird Anfang September erwartet, als Marktstart kursiert der 3. September, bestätigt ist beides noch nicht.
Brauche ich weiterhin die Nanoleaf-App?
Für die Hue-Integration nicht, gesteuert wird über die Hue-App mit fünf frei platzierbaren Farbpunkten samt Szenen und Entertainment. Die aufwendigen Einzel-Panel-Animationen aus der Nanoleaf-App gibt es dort allerdings nicht.
Funktioniert das Modul mit Matter und Apple Home?
Das Modul funkt Zigbee und Bluetooth. In Apple Home und andere Matter-Systeme kommen die eingebundenen Panels über die Hue Bridge, die als Matter-Vermittler arbeitet.





