Alibaba und Omarchy passen auf den ersten Blick nicht zusammen: ein chinesischer Cloud-Konzern und eine Linux-Distribution, deren Gründer jeden Handgriff über Tastenkürzel laufen lässt. Seit Dienstag gehören sie trotzdem zusammen. Alibaba Cloud zahlt der Omacom Foundation laut David Heinemeier Hansson eine Million Dollar pro Jahr für drei Jahre, und das Geld ist der kleinere Teil der Nachricht.
Vor drei Wochen habe ich hier über 300.000 Dollar von 1Password geschrieben und darüber, warum ein Passwort-Manager sich damit einen Streit einkauft. Die Summe von damals wirkt inzwischen wie Kleingeld.
- Alibaba Cloud wird am 22. September 2026 Founding Corporate Patron der Omacom Foundation und zahlt 1 Million Dollar pro Jahr über drei Jahre, dieselbe Summe wie DigitalOcean am 9. September
- Dazu kommt Omarchy China mit eigenem CDN, Hosting, Website und Meetups, und Omarchy soll ab Werk auf die Qwen-Modelle von Alibaba abgestimmt werden
- Anlass ist das Qwen Book, ein Agenten-Rechner von Alibaba Cloud, laut LatePost seit April von rund 150 Leuten entwickelt und für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant, erste Version auf ARM
- Das Gesamtbacking der Stiftung liegt laut DHH bei rund 21,7 Millionen Dollar, am 20. August waren es 8 Millionen, am 31. August mit 1Password 12,6 Millionen
- In einer X-Umfrage von Gergely Orosz unter 729 Linux-Entwicklern liegt Omarchy mit 18,9 Prozent auf Platz zwei hinter Ubuntu, berichtet heise am 22. September
- DHH reist nach Shenzhen, Hangzhou und Peking, The Register zählt gleichzeitig eine Stop-Omarchy-Kampagne und Kritik von Matthew Garrett
Eine Million pro Jahr, Omarchy China und ein Rechner namens Qwen Book
Die Zahlen stehen im Blogpost von DHH: Alibaba Cloud wird Founding Corporate Patron, 3 Millionen Dollar über drei Jahre, exakt die Größenordnung, die DigitalOcean zwei Wochen vorher zugesagt hatte. Damit liegt das Gesamtbacking der Stiftung nach DHHs Rechnung bei rund 21,7 Millionen Dollar.
Interessanter als die Summe ist, was Alibaba dafür bekommt. Erstens Omarchy China: ein eigenes Netz aus CDN, Hosting und Website, dazu Meetups und eine Community, damit chinesische Nutzer die Distribution ohne Umwege laden und aktualisieren können. Zweitens die Abstimmung von Omarchy auf die Qwen-Modelle ab Werk und, so schreibt es DHH wörtlich, die volle Integration der chinesischen Dienste, auf die Menschen dort angewiesen sind.
Der dritte Punkt ist Hardware. Alibaba Cloud baut das Qwen Book, einen Rechner, den der Konzern als nativen Agenten-Computer beschreibt. OS as Harness heißt das Konzept: Modelle, Betriebssystem, Apps, Cloud und Hardware werden so verzahnt, dass ein KI-Agent den Rechner dauerhaft verstehen, steuern und sich merken kann, was er getan hat. Die erste Version kommt auf ARM, x86 soll folgen, und Omarchy soll das Betriebssystem dafür werden.
Wie weit das Gerät ist, hat das chinesische Magazin LatePost am selben Tag beschrieben: Ein Team von rund 150 Leuten aus Alibabas Cloud-PC-Sparte arbeitet seit April daran, die Form erinnert eher an ein Tablet, und der Start ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant. DHH fliegt derweil nach China, auf die GOSIM-Konferenz, zu einem Omarchy-Meetup in Shenzhen und zu Alibaba nach Hangzhou.
Alibaba und Omarchy: wer vorher schon gezahlt hat, und wie viel
Die Omacom Foundation gibt es seit dem 20. August. Sie startete mit 8 Millionen Dollar von Gründern und Investoren aus dem Umfeld von Shopify, Stripe und Cloudflare, eine Woche später waren es 10 Millionen. Am 31. August kamen Brian Armstrong und Yunjie Dai mit je einer Million dazu, am selben Tag 1Password und 37signals mit je 300.000 Dollar über drei Jahre.
Seitdem hat die Stiftung fast täglich etwas verkündet. Am 3. September 1,95 Millionen Dollar in Form von KI-Tokens, laut The Register von Meta Superintelligence Labs, Anthropic, OpenAI und Fireworks. Am 9. September DigitalOcean mit 3 Millionen. Dazwischen drei Vollzeit-Einstellungen, ein Kernel-Entwickler, der Quickshell-Erfinder outfoxxed für die Oberfläche und ein Infrastruktur-Chef ab November.
Die Nachfrage ist real. Omarchy Quattro, die Version 4, wurde in den ersten 18 Tagen 200.000 Mal als ISO geladen, und am 11. September hat DHH mit Omarchy M eine Variante für Apple-Silicon-Macs angekündigt. Passend dazu berichtet heise über eine X-Umfrage von Gergely Orosz: Unter 729 Linux-Entwicklern liegt Omarchy mit 18,9 Prozent auf Platz zwei hinter Ubuntu mit 48,8 Prozent. Nicht repräsentativ, aber für eine Distribution, die es seit Juni 2025 gibt, eine Ansage.
Der Besitzer bleibt Herr, schreibt DHH, und Alibaba bringt die Dienste mit
DHH beschreibt das Ziel als Linux-Desktop, auf dem Menschen und Agenten zusammenarbeiten und der Besitzer die Kontrolle behält. Im selben Text steht, dass Modelle, Betriebssystem und Dienste vom ersten Start an zusammenspielen sollen, und dass die Dienste in diesem Fall die chinesischen sind. Beides gleichzeitig zu versprechen ist der Punkt, an dem ich beim Lesen hängen geblieben bin.
Ein Betriebssystem, das ab Werk auf die Modelle eines Konzerns abgestimmt ist, ist erst einmal das Gegenteil von neutral. Bei Alibaba kommt dazu, dass die Firma in China rechtlich anderen Regeln unterliegt als ein Anbieter in Delaware oder Berlin. Was davon in die globale Distribution fließt und was nur in Omarchy China landet, sagt der Blogpost nicht, und genau das ist die Frage, die mich als Nutzer interessieren würde.
Wie schnell so etwas kippen kann, zeigte in derselben Woche ein anderer Fall. The Register berichtete am Dienstag über ZCode, das Coding-Werkzeug des chinesischen Anbieters Z.ai, das komplette Projektordner seiner Nutzer verpackt und auf Alibaba-Cloud-Speicher geladen hatte, bis ein Entwickler es bemerkte und die Firma sich entschuldigte. Z.ai ist nicht Alibaba, aber die Speicherung lief über dessen Cloud, und der Fall ist eine Erinnerung daran, wie eng Modell, Werkzeug und Cloud in diesem Ökosystem verdrahtet sind.
Die Kritik an Omarchy läuft ohnehin auf Hochtouren, unabhängig von Alibaba. The Register zählt eine Stop-Omarchy-Kampagne, deren Banner die Distribution eine politische Bewegung im Gewand eines Linux nennt, und zitiert Matthew Garrett, der Omarchy für unvereinbar mit den Zielen freier Software hält. Auf die Anfrage des Magazins hatte die Stiftung bis zum Erscheinen des Artikels nicht geantwortet.
Was das für Umsteiger heißt, die gerade eine Distribution suchen
Am Omarchy-ISO, das heute jemand lädt, ändert die Nachricht nichts. Es bleibt Arch Linux mit dem Fenstermanager Hyprland und einer Vorauswahl, die DHH für richtig hält, der Code ist offen, und niemand zwingt einen, ein Qwen-Modell zu benutzen. Wer das System mag, kann es weiter benutzen.
Was sich ändert, ist die Richtung. Eine Stiftung mit 21,7 Millionen Dollar, drei Konzernen als Gründungspatronen und einem Hardware-Partner in Hangzhou ist kein Hobbyprojekt mehr, das ein Mann nach seinem Geschmack zusammenstellt. Sie ist ein Unternehmen mit Roadmap, und die Roadmap heißt Agenten-Rechner, nicht schöner Desktop.
Ich habe Omarchy beim Umstieg von Windows einen Abend lang ausprobiert und danach zurückgespielt, mein Rechner läuft auf Fedora 44 und wartet auf das Final von 45. Das war eine Frage des Geschmacks, keine politische. Nach dieser Woche kommt eine zweite Frage dazu, die ich vor drei Wochen beim 1Password-Text schon einmal gestellt habe: Wessen Werkzeug will ich benutzen, und wer bezahlt es.
Ich habe mich beim 1Password-Streit noch gefragt, ob 300.000 Dollar überhaupt eine Nachricht sind. Drei Wochen später sitze ich vor einer Summe, die siebzigmal so groß ist, und merke, dass mich nicht die Zahl beschäftigt, sondern die Reihenfolge. Erst kam das Betriebssystem, jetzt wird ein Rechner darum herum gebaut, und dazwischen lag nur das Geld. Bei jedem anderen Linux wäre das andersherum gelaufen, und ich bin mir nicht sicher, ob das ein Fortschritt ist oder nur schneller.
Alibaba, Qwen Book, Omacom Foundation: die kurzen Antworten
Was zahlt Alibaba an Omarchy?
Alibaba Cloud zahlt der Omacom Foundation 1 Million Dollar pro Jahr über drei Jahre, insgesamt 3 Millionen Dollar, und wird damit Founding Corporate Patron. Dazu unterstützt Alibaba den Aufbau von Omarchy China mit CDN, Hosting, Website und Community.
Was ist das Qwen Book?
Ein Rechner von Alibaba Cloud, den der Konzern als nativen Agenten-Computer beschreibt. Laut LatePost entwickelt ihn ein Team von rund 150 Leuten seit April 2026, die erste Version läuft auf ARM, der Start ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant. Omarchy soll das Betriebssystem dafür werden.
Ändert sich Omarchy durch Alibaba?
An der heutigen Distribution zunächst nichts, sie bleibt Arch Linux mit Hyprland und offenem Code. Neu ist, dass Omarchy laut DHH ab Werk auf die Qwen-Modelle von Alibaba abgestimmt und mit chinesischen Diensten integriert werden soll. Was davon in die globale Version kommt, ist offen.
Wie viel Geld hat die Omacom Foundation?
Rund 21,7 Millionen Dollar an Zusagen, Spenden und KI-Tokens, Stand 22. September 2026 laut DHH. Gestartet ist die Stiftung am 20. August 2026 mit 8 Millionen Dollar. Founding Corporate Patrons sind DigitalOcean, Meta Superintelligence Labs und Alibaba Cloud.
Ich bleibe bei Fedora, und schaue trotzdem hin
Für mich ist Omarchy nach dieser Woche noch weniger eine Option als vorher, und das hat diesmal nichts mit Tastenkürzeln zu tun. Ein Betriebssystem, das für den Rechner eines Konzerns gebaut wird, ist ein Produkt dieses Konzerns, egal wie offen der Code bleibt. Fedora hat Red Hat im Rücken, das stimmt, aber niemand baut dort einen Laptop, für den Fedora die Verpackung sein soll.
Trotzdem ist das die spannendste Linux-Geschichte des Jahres, und ich werde sie weiterverfolgen. Wenn das Qwen Book Anfang 2027 erscheint, wäre es meines Wissens der erste Rechner, der mit einem Linux ausgeliefert wird, das ausdrücklich für Agenten gebaut ist. Ob man das haben will, ist eine andere Frage. Dass es passiert, steht seit Dienstag fest.





