Der Gardena SILENO sun ist ein Mähroboter, der keine Ladestation braucht und kein Begrenzungskabel, nur Tageslicht auf seinem Solardeckel. Gardena hat ihn am Wochenende zusammen mit dem SILENO evolve für die Gartensaison 2027 angekündigt, ausgelegt für Rasenflächen bis 100 Quadratmeter. Mein Garten hat 103, und seit Mai fährt darin ein Mäher, der für 800 gebaut ist.
- Gardena hat am 20. September 2026 zwei Mähroboter für die Saison 2027 angekündigt: den SILENO sun für bis zu 100 Quadratmeter und den SILENO evolve für 600 oder 1000 Quadratmeter, beide ohne Begrenzungskabel
- Der SILENO sun lädt ausschließlich über ein Solarpanel im Deckel, braucht keine Ladestation, erkennt Rasenkanten per Kamera, schafft 15 Prozent Steigung, ist 57 dB(A) laut und wird per Bluetooth-App oder direkt am Gerät bedient
- Der SILENO evolve kartiert den Garten mit drei Kameras und VSLAM in 3D, schafft 35 Prozent Steigung, stoppt bei Regen und verlangt ein Husqvarna-Konto sowie WLAN mit Internet im Garten
- Preise und Termine nennt Gardena nicht, im Shop stehen bis dahin der smart SILENO sense mit Kamera für 999,99 und 1099,99 Euro und der smart SILENO free mit RTK ab 999,99 Euro
- Der erste Husqvarna-Mähroboter von 1995 hieß Solar Mower und lud ebenfalls über Sonnenlicht, Gardena gehört zur Husqvarna-Gruppe
- Für einen Reihenhausgarten mit getrennten Zonen wie meinem passt der sun nicht, Gardena schreibt ausdrücklich einfache Form und Tageslicht als Voraussetzung
Kein eigener Test, beide Geräte gibt es noch nicht. Dieser Text stützt sich auf die Pressemitteilung im Gardena Media Center vom 20. September, den deutschen Gardena-Shop mit Stand vom 23. September und die Husqvarna-Firmengeschichte. Was der sun in einem echten Reihenhausgarten leistet, weiß ich erst, wenn einer hier steht.
SILENO sun: hinstellen, Sonne abwarten, fertig
Die Idee ist so simpel, dass ich zweimal nachgelesen habe, ob ich etwas übersehe. Der SILENO sun wird auf den Rasen gestellt, und das war die Installation. Laut Gardena gibt es weder Ladestation noch Begrenzungsdraht, das Solarpanel im Deckel lädt den Akku über Sonne und Tageslicht.

Navigiert wird per Kamera: Eine KI erkennt sichtbare Rasenkanten und weicht Hindernissen wie Gartenmöbeln und Pflanzen aus. Der Mäher fährt täglich und mulcht, also lässt er den Schnitt als feinen Dünger liegen. Steigungen schafft er bis 15 Prozent, der Geräuschpegel liegt bei 57 dB(A), nach Registrierung gibt es drei Jahre Garantie.
Die wichtigsten Einstellungen sitzen direkt am Gerät. Wer mehr will, nimmt die Gardena-Bluetooth-App, laut Macerkopf mit rund 10 Metern Reichweite, und legt dort Sperrzeiten fest oder schaut auf den Akkustand. Ein Konto braucht der sun nicht, eine Cloud auch nicht. Beim Navimow in meinem Garten läuft jede Einstellung über App und Konto, so gesehen ist das inzwischen die Ausnahme.
Zwei Sätze in der Pressemitteilung sind die eigentliche Produktbeschreibung. Für den Betrieb ist Tageslicht erforderlich, und der Mäher ist für einfache und kompakte Rasenflächen konzipiert. Beides klingt nach Fußnote, beides entscheidet darüber, ob das Gerät in einem bestimmten Garten funktioniert.
Was der sun in einem echten Reihenhausgarten leisten müsste
Mein Garten hat 103 Quadratmeter, verteilt auf einen Hauptgarten hinter dem Haus und einen Vorgarten davor. Seit Mai fährt dort ein Navimow i208 LiDAR, ein Modell für 800 Quadratmeter, warum, steht im Artikel über Mähroboter für kleine Gärten. Für den sun wäre so ein Garten der typische Einsatzort, deshalb halte ich die Bedingungen aus der Pressemitteilung einmal dagegen.
Die Fläche passt ungefähr, die Form nicht. Der Hauptgarten liegt mit knapp 75 Quadratmetern im Rahmen, hat aber ein Trampolin und einen Apfelbaum, und der Vorgarten liegt auf der anderen Seite des Hauses. Ein Mäher ohne Station fährt nicht von allein dorthin, den müsste ich tragen.
Das größere Fragezeichen ist die Sonne. Gardena nennt Tageslicht als Voraussetzung, aber keine Stundenzahl und keine Akkukapazität. Unter dem Apfelbaum steht der Mäher im Halbschatten, im Mai regnet es hier gern eine Woche am Stück, und ob ein Deckel voller Solarzellen das ausgleicht, steht nirgends.
Was der sun dagegen sauber löst, ist die Installation, also der Teil, an dem die meisten Käufer in dieser Größenklasse hängen. Es gibt weder Kabel noch Steckdose, und ein Konto braucht er auch nicht. Meine Faustregel aus dem Frühjahr gilt trotzdem weiter: Bis 80 Quadratmeter ist ein Akku-Rasenmäher in zehn Minuten durch, der Roboter ist Bequemlichkeit, keine Zeitersparnis.
SILENO evolve: drei Kameras, eine 3D-Karte und ein Konto bei Husqvarna
Der SILENO evolve ist das andere Ende des Lineups, für 600 oder 1000 Quadratmeter. Er navigiert per VSLAM mit einem Dreifach-Kamerasystem. VSLAM heißt Visual Simultaneous Localisation and Mapping: Der Mäher baut aus den Kamerabildern eine Karte des Gartens und bestimmt gleichzeitig, wo er sich darin befindet, ohne Draht, ohne Antenne und ohne RTK-Sender.

Die Karte landet als 3D-Ansicht in der evolve-App, dort werden Sperrzonen gezogen, Zeitpläne verwaltet und einzelne Flächen zum Mähen geschickt. Der Mäher fährt gerade Bahnen mit wechselnden Startpunkten, erkennt Spielzeug, Möbel und Menschen in Echtzeit, stoppt bei Regen und schafft 35 Prozent Steigung. Eine Ladestation gibt es hier wieder, den Rest der Installation erledigt er beim ersten Kartieren selbst.
Und dann kommt die Fußnote, die beim sun fehlt. Die evolve-App verlangt eine Online-Registrierung mit Benutzerkonto bei der Husqvarna-Gruppe, die Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen und WLAN mit Internetzugang im Garten. Ohne Netz keine Karte, ohne Konto keine App, das steht so in der Pressemitteilung, nicht im Kleingedruckten eines Händlers.
Ganz neu ist der Kamera-Ansatz bei Gardena nicht. Der smart SILENO sense steht seit letztem Jahr im Shop, kabellos und mit Kamera, für 400 Quadratmeter zu 999,99 Euro und für 600 Quadratmeter zu 1099,99 Euro. Gardena selbst schreibt, sun und evolve vervollständigten das Portfolio um den sense herum. Der evolve ist also die große Ausbaustufe dieser Technik, kein erster Versuch.
1995 hieß der erste Automower Solar Mower, und jetzt schließt sich der Kreis
Gardena gehört zur Husqvarna-Gruppe, und Husqvarna hat nach eigener Zählung 1995 den ersten Mähroboter überhaupt verkauft. Das Gerät hieß Solar Mower, intern die Schildkröte, und laut Husqvarna war die Stromversorgung über Solarzellen damals das Alleinstellungsmerkmal. Danach kamen dreißig Jahre Ladestationen. Der sun ist die Rückkehr zu einer Idee, die der Konzern selbst zuerst hatte.
Der Unterschied zu 1995 ist die Konkurrenz. Kamera-Mäher ohne Draht für kleine Gärten stehen längst im Regal: Der eufy C15 für bis zu 500 Quadratmeter kostet 899 Euro Listenpreis und war im August bei Amazon für 749 Euro zu haben, der TerraMow Mini 500 startet mit 749 Euro UVP. Beide kann man heute bestellen. Gardena nennt für 2027 weder Preis noch Monat.
Dass die Ankündigung im September kommt, passt ins Muster dieses Herbstes. Auf der IFA haben eufy, Dreame, Navimow und Mammotion ihre 2027er-Mäher gezeigt, teils mit Greifarm, teils mit Wärmebildkamera, fast alle ohne Preis. Gardena reiht sich ein, mit dem einzigen Konzept auf dieser Liste, das die Ladestation ganz weglässt.
Was Gardena nicht sagt: den Preis, und wie viel Sonne der sun braucht
Die Pressemitteilung hat 5733 Zeichen, und die wichtigsten Zahlen fehlen darin. Kein Preis, kein Termin außer Saison 2027, keine Akkukapazität, keine Angabe, wie viel Leistung das Panel im Deckel liefert, keine Schnittbreite, keine Schnitthöhe. Für ein Gerät, dessen ganzes Konzept an der Sonne hängt, ist die fehlende Wattzahl die größte Lücke.
Offen bleibt damit auch die Frage, die jeder mit einem Nordgarten stellt: Was passiert in einer Woche Dauerregen im Mai, wenn der Rasen am schnellsten wächst und die Sonne am seltensten scheint. Gardena schreibt nur, dass Tageslicht nötig ist, nicht, wie viele Stunden davon. Wer das wissen will, muss auf das Datenblatt warten, und das gibt es noch nicht.
Im Frühjahr habe ich einen Mäher für das Achtfache meiner Fläche gekauft, weil es für kleine Gärten kaum etwas anderes gab. Ein Gerät ohne Kabel und ohne Station ist genau das, was ich mir damals gewünscht hätte. Dass es jetzt angekündigt wird, zwei Saisons zu spät für mich und erst einmal ohne Preis, ärgert mich weniger, als ich erwartet hätte. Es heißt, dass die Hersteller den Reihenhausgarten endlich als eigene Größe ernst nehmen.
Gardena SILENO sun und evolve: die kurzen Antworten
Wann kommt der Gardena SILENO sun und was kostet er?
Gardena nennt nur die Gartensaison 2027, also voraussichtlich Frühjahr 2027, und keinen Preis. Zur Einordnung: Der aktuelle smart SILENO sense mit Kamera kostet im Gardena-Shop 999,99 Euro für 400 Quadratmeter, der SILENO minimo mit Draht deutlich weniger.
Braucht der SILENO sun eine Ladestation oder ein Begrenzungskabel?
Nein. Der SILENO sun lädt über ein Solarpanel im Deckel und wird ohne Station und ohne Kabel einfach auf den Rasen gestellt. Rasenkanten und Hindernisse erkennt er per Kamera. Die Einstellungen laufen direkt am Gerät oder über die Gardena-Bluetooth-App.
Funktioniert der SILENO sun auch im Schatten oder bei Regen?
Gardena schreibt, dass Tageslicht für den Betrieb erforderlich ist, nennt aber keine Mindeststunden und keine Akkukapazität. Wie der Mäher eine Regenwoche übersteht, ist damit offen. Für stark beschattete Gärten ist ein Modell mit Ladestation wie der SILENO evolve oder der sense die sicherere Wahl.
Braucht der Gardena SILENO evolve WLAN und ein Konto?
Ja, beides. Die evolve-App verlangt laut Gardena eine Online-Registrierung mit Benutzerkonto bei der Husqvarna-Gruppe und WLAN mit Internetzugang im Garten. Der kleinere SILENO sun kommt dagegen ohne Konto aus und wird per Bluetooth bedient.
Was unterscheidet SILENO evolve, sense und free?
Der smart SILENO free navigiert per RTK-Satellitenempfang mit Antenne und kostet ab 999,99 Euro. Der smart SILENO sense ist seit 2025 im Handel und fährt kabellos mit Kamera für 400 oder 600 Quadratmeter. Der evolve für 2027 erweitert den Kamera-Ansatz auf drei Kameras, eine 3D-Karte und Flächen bis 1000 Quadratmeter.
Für die Rechteckwiese hinterm Reihenhaus die richtige Idee, für meinen Garten nicht
Wer eine kleine, offene Rasenfläche hat, keine Steckdose draußen und keine Lust auf eine weitere App mit Konto, für den ist der SILENO sun das interessanteste Mähroboter-Konzept dieses Herbstes. Er löst das Problem, an dem die meisten Käufer in dieser Größenklasse scheitern, nämlich die Installation, indem er sie weglässt.
Für meinen Garten ist er nichts, wegen des Vorgartens auf der anderen Seite des Hauses und wegen des Halbschattens unter dem Apfelbaum. Ob ich ihn trotzdem einmal auf die 75 Quadratmeter hinterm Haus stelle, wenn er 2027 kommt, hängt an zwei Zahlen, die Gardena noch nicht genannt hat. Am Preis, und daran, wie viel Sonne das Ding braucht.





