Ein Mähroboter mit Arm klingt nach Messe-Gag, bis man den eigenen Rasen einmal nach dem Mähen an der Beetkante entlang abgeht. Mein Navimow mäht seit April seine 103 Quadratmeter zuverlässig, aber an der Kante zum Beet bleibt ein Rest stehen, den das Mähwerk unter dem Gehäuse nicht erreicht. Das war schon im Test so, und kein Firmware-Update seither hat daran etwas geändert.
Auf der IFA 2026 zeigen inzwischen sechs Hersteller, dass sie dieses Problem nicht mehr der Software überlassen. eufy, Dreame, Sunseeker, Ecovacs, Anthbot und MOVA fahren einen Trimmer aus, klappen einen Arm aus oder setzen dem Mäher gleich einen Greifer auf den Rücken.
Angefasst habe ich keinen davon. Interessanter als die Mechanik ist ohnehin, was Sunseeker daneben stellt: eine Wärmebildkamera, die Igel erkennt, und zwar als Zubehör gegen Aufpreis.
- Sechs Hersteller zeigen Kantenmechanik: eufy S2 Max (Trimmarm, Allrad, bis 15.000 Quadratmeter), Dreame A4 AWD Pro (EdgeMaster 4.0, bis 0 cm), Sunseeker S7 (absenkbarer Trimmerkopf EdgeZero, bis 0 cm), Ecovacs GOAT T-Serie (TruEdge-Fadentrimmer), Anthbot R720 (EdgeEase) und MOVA AstraX (Multifunktionsarm mit Wechselwerkzeugen)
- Sunseeker kündigt für Februar 2027 fünf LiDAR-Modelle für 500 bis 3000 Quadratmeter an. Die Wärmebildkamera, die Igel an der Körperwärme erkennt und den Mäher stoppen lässt, ist laut Hersteller optional erhältlich, ein Aufpreis wird nicht genannt
- Die Grünen-Fraktion will bis 2030 eine Igel-Erkennungs-Zertifizierung als Verkaufsvoraussetzung. Käme sie, wäre eine Zubehör-Kamera keine Option mehr, sondern Pflichtausstattung
- Anthbot R720: bis 2000 Quadratmeter, Dual-LiDAR plus PPP-RTK, sechs Motoren, 84 Prozent Steigung, 32 cm Schnittbreite, 65 dB. Der EdgeEase-Trimmer ist ebenfalls optional, im Shop steht das Gerät noch nicht
- Ecovacs ist der Gegenentwurf: Der TruEdge-Trimmer läuft schon in aktuellen GOAT-Modellen serienmäßig und soll bei erkannten Menschen oder Tieren stoppen. Die GOAT T-Serie mit HoloScope 360 kommt 2027
- Preise nennt für die neuen Arm-Modelle bisher kein einziger Hersteller, Marktstart-Termine gibt es nur von Sunseeker (Februar 2027) und Ecovacs (2027)
Warum unter dem Gehäuse immer ein Streifen stehen bleibt
Dreh einen Mähroboter einmal um, dann ist das Problem sofort klar. Die Messerscheibe sitzt mittig unter dem Gehäuse, und rundherum ragt Plastik ein paar Zentimeter über die Messer hinaus.
Dieser Überstand ist kein Konstruktionsfehler, sondern der Grund, warum man das Gerät überhaupt unbeaufsichtigt laufen lassen darf. Er hält Kinderfüße und Igelnasen von den Klingen fern. Der stehengebliebene Streifen an der Mauer ist der Preis dafür.
Die Hersteller haben das jahrelang mit einem Kantenmodus kaschiert, bei dem der Roboter mit einem Rad auf der Einfassung fährt. Schmaler wird der Streifen dadurch, weg ist er nicht.

Sechs Hersteller, ein Trick: Das Schneidwerkzeug wandert nach außen
Der eufy S2 Max geht das mechanisch an. Seitlich am Gehäuse sitzt ein ausfahrbarer Trimmarm, der den Feinschnitt entlang der Begrenzung übernimmt, Anker nennt das „True Edge-to-Edge Trimming“. Der Rest des Datenblatts ist auf große Grundstücke geschnitten: Allradantrieb, bis zu 15.000 Quadratmeter Gesamtfläche, dazu eine 3D-Karte aus eufys TrueVision-System mit 48 TOPS Rechenleistung. TOPS = Billionen Rechenoperationen pro Sekunde, das übliche Maß für die KI-Leistung eines Chips.
Preis und Marktstart nennt eufy nicht. Zur Einordnung: Der Terramow Mini 500 aus derselben Firmenfamilie ist für 500 Quadratmeter gedacht und kostet 799 Euro. 15.000 Quadratmeter sind kein Reihenhausgarten, das ist ein Sportplatz mit Nebenflächen.
Dreame zeigt dasselbe Prinzip am A4 AWD Pro. Der seitlich ausfahrende Schneidarm heißt dort EdgeMaster 4.0 und soll bis auf null Zentimeter an die Rasenkante heranreichen, an geraden Einfassungen wie in Kurven.
Sunseeker kündigt gleich fünf Modelle für 500 bis 3000 Quadratmeter an, IMTEST hat die Generation 2027 am Stand aufgenommen. Die Kantenlösung heißt EdgeZero: ein absenkbarer Trimmerkopf im Topmodell S7, ebenfalls mit dem Versprechen von null Zentimeter Abstand zu Mauer oder Beetkante. Bei den kleineren Modellen S3 und S5 übernimmt eine seitliche Mini-Schneidscheibe, dort bleiben laut Hersteller bis zu drei Zentimeter stehen.
Diese Null-Zentimeter-Ansage ist die konkreteste im Feld, und sie ist überprüfbar. Entweder steht nach dem Mähen an der Mauer noch Gras, oder nicht.
Ecovacs fällt aus der Reihe, weil der Fadentrimmer dort keine Neuheit ist. Der TruEdge-Trimmer arbeitet bereits in aktuellen GOAT-Modellen, fährt automatisch aus und ein und soll bei erkannten Menschen oder Tieren stoppen. Für 2027 kündigt Ecovacs die GOAT T-Serie an, die das Konzept mit dem Navigationssystem HoloScope 360 fortführt.
Anthbot schließlich stellt die R7-Serie vor. Der R720 kombiniert laut SmarthomeAssistent Dual-LiDAR mit KI-Kameras und PPP-RTK, fährt mit sechs Motoren und Allradlenkung bis zu 84 Prozent Steigung und deckt 2000 Quadratmeter ab. Der ausfahrbare EdgeEase-Trimmer ist optional.
| Hersteller | Kantenlösung | Serienmäßig? | Termin |
|---|---|---|---|
| eufy S2 Max | Trimmarm, ausfahrbar | im Gerät | offen |
| Dreame A4 AWD Pro | EdgeMaster 4.0, bis 0 cm | im Gerät | offen |
| Sunseeker S7 | EdgeZero, absenkbar, bis 0 cm | im Topmodell | Februar 2027 |
| Sunseeker S3 / S5 | seitliche Schneidscheibe, bis 3 cm | im Gerät | Februar 2027 |
| Ecovacs GOAT T-Serie | TruEdge-Fadentrimmer | serienmäßig, schon im Einsatz | 2027 |
| Anthbot R720 | EdgeEase-Trimmer | optional | offen |
| MOVA AstraX | Multifunktionsarm mit Greifer | Konzept | offen |
Der Igel wird zum Wärmefleck, und bei Sunseeker steht er auf der Zubehörliste
Die Funktion, die mich an dieser IFA am meisten interessiert, hat mit der Kante nur am Rande zu tun. Anthbot hatte sie zuerst: Der R730 soll Igel per Wärmebild erkennen und umkurven, heise hat den Mäher vorgestellt.
Warum Wärmebild ein anderer Ansatz ist als eine Kamera, die Igel am Aussehen erkennen soll: Igel sind nachts unterwegs, und eine normale Kamera sieht im dunklen Garten wenig. Ein Wärmebildsensor sieht dagegen einen Igel mit rund 35 Grad Körpertemperatur auf einem Rasen, der nachts deutlich kühler ist.
Wie zuverlässig das nach einem 30-Grad-Tag funktioniert, wenn der Boden selbst noch Wärme abgibt, muss ein Test zeigen.
Sunseeker zieht jetzt nach und liefert dabei das Detail, das den Unterschied macht. Die Kamera erkennt Lebewesen an der Körperwärme, funktioniert im Dunkeln, und der Roboter stoppt und weicht aus. Sie ist laut Hersteller optional erhältlich, einen Aufpreis nennt Sunseeker bisher nicht.
Das ist der Punkt, an dem sich diese Ankündigung von den anderen unterscheidet. Die Grünen-Fraktion will ab 2027 eine Nachtsperre in der Firmware und bis 2030 eine Igel-Zertifizierung als Verkaufsvoraussetzung. Käme dieses Siegel, wäre genau die Technik, die Sunseeker als Zubehör anbietet, plötzlich Pflichtausstattung.
Ein Hersteller, der ein Sicherheitsmerkmal in die Zubehörliste schreibt, verkauft es zweimal: einmal an die Käufer, die es bestellen, und einmal als Argument gegenüber der Politik, dass die Technik ja verfügbar sei. Wer sie nicht mitbestellt, hat trotzdem einen Mäher ohne Tiererkennung im Garten stehen.
Dass die Debatte weiterläuft, zeigt sich am selben Tag im Kleinen. In Rheinau fordert ein Verein ein kommunales Nachtfahrverbot für Mähroboter, berichten die Badischen Neuesten Nachrichten. Diese Anträge kommen seit Monaten aus immer neuen Gemeinden, und Leipzig und Köln haben längst entschieden.
Meine Haltung dazu hat sich seit dem Igel-Ratgeber nicht geändert, aber sie bekommt zum ersten Mal ernsthaft Gegenwind. Ein Mäher, der nachts einfach in der Station bleibt, schützt mehr Igel als jede Erkennung, habe ich dort geschrieben, und gemeint war KI-Objekterkennung auf Kamerabildern.
Wärmebild ist etwas anderes. Da muss keine Mustererkennung raten, ob ein brauner Fleck ein Igel oder ein Tannenzapfen ist. Ein Sicherheitsnetz für die Dämmerung wird daraus trotzdem eher als ein Freifahrtschein für drei Uhr morgens.
MOVA AstraX: Der Arm weiß inzwischen, was er tun soll
Der auffälligste Mäher der Messe kommt von MOVA, der Zweitmarke aus dem Dreame-Konzern. Auf dem Gehäuse des AstraX sitzt ein mehrgliedriger Roboterarm mit einem zweiteiligen Greifer, davor ein breites Modul mit zwei Kameras.
Vor der Messe lief das Konzept noch als „Next Lawn Master X“, und bei der Vorstellung blieb offen, wozu der Arm überhaupt da ist. Inzwischen sagt MOVA es: Der Zweifingergreifer soll Gegenstände von der Mähroute entfernen und Früchte aufnehmen, dazu sind die Werkzeuge wechselbar.
Fallobst unter dem Apfelbaum ist tatsächlich der Fall, an dem heutige Mäher scheitern. Sie bleiben stehen und schicken eine Push-Nachricht, danach geht man selbst raus.
Für die Navigation kombiniert MOVA unter dem Namen OmniSense 4.0 LiDAR, Netzwerk-RTK, eine Stereo-KI-Kamera und seitliche Kantensensoren. Netzwerk-RTK = die Positionskorrektur kommt aus einem Cloud-Netz statt von einer eigenen Antenne im Garten, warum das 2026 der eigentliche Grund für die bessere Navigation ist, habe ich hier aufgeschrieben.
Verwechseln sollte man den AstraX nicht mit dem Knot 80, den MOVA auf derselben Messe zeigt. Das ist ein eigenständiger Roboterarm mit 15 Gelenken und elf Freiheitsgraden in der Hand, der seine Greifkraft zwischen 25 und 50 Newton regelt. Mit Rasen hat er nichts zu tun, er zeigt nur, woran der Konzern sonst noch arbeitet.
Ob der AstraX in dieser Form gebaut wird, ist offen. Ich lese ihn erst mal als Ansage, wohin Dreame will, nicht als Kaufoption für 2027.
Nichts von den Arm-Modellen. Für keines der auf der IFA gezeigten Geräte nennt ein Hersteller einen Preis, und nur Sunseeker (Februar 2027) und Ecovacs (2027) nennen überhaupt einen Zeitraum. Der Anthbot R720 steht noch nicht im Shop. Wer den Kantenschnitt heute will, kauft ein aktuelles Ecovacs-GOAT-Modell mit TruEdge-Trimmer, das gibt es seit dieser Generation serienmäßig.
Ein Arm mehr heißt ein Teil mehr, das im Regen steht
Der Fortschritt bei Mährobotern kam in den letzten Jahren aus der Sensorik. Erst ersetzte RTK das Begrenzungskabel, zuletzt wanderten die Korrekturdaten in die Cloud. Nichts davon bewegt sich.
Ein Trimmarm ist das erste bewegliche Teil außerhalb der Räder, das ein Mäher seit der Messerscheibe dazubekommt, und er arbeitet genau dort, wo Grasschnitt und Regenwasser sind. Anthbot verkauft immerhin Ersatzklingen und Akkus im eigenen Shop, was für einen chinesischen Hersteller nicht selbstverständlich ist. Für Gelenke und Ausfahrmechanik gibt es solche Listen noch nicht.
Der zweite Punkt wiegt schwerer, und er steht in keiner Pressemitteilung. Das Schneidwerkzeug verlässt bei all diesen Geräten den schützenden Überstand des Gehäuses, also genau die Konstruktion, die es unbeaufsichtigt betriebssicher macht.
Dass Ecovacs beim TruEdge-Trimmer ausdrücklich erwähnt, er stoppe bei erkannten Menschen oder Tieren, ist der beste Beleg dafür, dass die Hersteller das Problem kennen. Bei den anderen fünf steht dazu bisher nichts.
So viele dieser Geräte stehen ausgerechnet in Berlin, und das hat einen Grund, der nichts mit Rasen zu tun hat. Nikkei Asia berichtete, dass chinesische Mähroboter-Hersteller wegen der US-Importhürden verstärkt nach Europa drängen.
Für Käufer hier heißt das mehr Auswahl und mehr Druck auf die Preise. Es heißt aber auch, dass die Geräte in deutschen Gärten landen, bevor sie irgendwo einen Sommer lang gelaufen sind.

Als ich den Igel-Ratgeber geschrieben habe, war das für mich erst mal Recherche. Ein 103-Quadratmeter-Reihenhausgarten ist nicht der Ort, an dem man täglich über Wildtiere nachdenkt. Hängengeblieben ist es trotzdem, und jetzt sitze ich vor einer Ankündigung, die genau diesen Schutz zum Zubehör macht. Das ärgert mich mehr als jede fehlende Kantenfunktion. Ein Streifen Gras an der Mauer ist ein Schönheitsfehler, das andere nicht.
Warten lohnt sich, wenn dich die Kante stört. Kaufen noch nicht
Ich kaufe keinen Mäher mit Arm, bevor jemand einen davon einen Sommer lang draußen hatte. Nicht aus Prinzip, sondern weil der Arm das Teil ist, das als Erstes klemmen wird, und weil kein Hersteller einen Preis nennt.
Wer ein Grundstück jenseits von 5000 Quadratmetern hat, sollte den eufy S2 Max trotzdem auf die Liste setzen, für den ist er gebaut. Wer den Kantenschnitt sofort will und nicht bis 2027 warten mag, ist bei Ecovacs am besten aufgehoben, weil der TruEdge-Trimmer dort keine Ankündigung ist.
Und wenn dir Igel wichtig sind: Achte bei Sunseeker darauf, ob die Wärmebildkamera im Preis steckt oder daneben. Bis dahin schützt der Zeitplan in der App immer noch zuverlässiger als jeder Sensor, und er kostet nichts.
Alle anderen fahren mit dem Mäher, den sie haben, bis Ende September und schauen dann, was die Kante in den ersten Tests wert ist. Preise trage ich hier nach, sobald sie feststehen.
Was beim Mähroboter mit Arm noch offen ist
Welche Mähroboter mit Arm gibt es auf der IFA 2026?
Sechs Hersteller zeigen welche: eufy den S2 Max mit ausfahrbarem Trimmarm, Dreame den A4 AWD Pro mit EdgeMaster 4.0, Sunseeker den S7 mit absenkbarem EdgeZero-Trimmerkopf, Ecovacs die GOAT T-Serie mit TruEdge-Fadentrimmer, Anthbot den R720 mit optionalem EdgeEase und MOVA den AstraX mit Greifarm. Preise nennt keiner, Stand 5. September 2026.
Kostet der Igelschutz beim Sunseeker extra?
Ja, die Wärmebildkamera ist laut Sunseeker optional erhältlich, also Zubehör und nicht Teil der Grundausstattung. Wie hoch der Aufpreis ausfällt, hat der Hersteller bisher nicht gesagt. Die fünf neuen Modelle sollen ab Februar 2027 in den Handel kommen.
Erkennt eine Wärmebildkamera Igel zuverlässiger als eine normale Kamera?
Im Dunkeln ja, weil sie den Temperaturunterschied misst statt ein Bild auszuwerten. Ein Igel hat rund 35 Grad Körpertemperatur und hebt sich nachts deutlich vom kühleren Rasen ab. Ungeklärt ist, wie gut das nach einem heißen Tag funktioniert, wenn der Boden selbst noch Wärme abstrahlt. Getestet hat es bisher niemand.
Was kostet der eufy S2 Max?
Einen Preis nennt eufy noch nicht, ebenso keinen Marktstart. Das Gerät ist für Flächen bis 15.000 Quadratmeter gebaut und dürfte damit deutlich über den 799 Euro des kleinen Terramow Mini 500 aus derselben Firmenfamilie liegen.
Wann kommen Mähroboter mit Arm in den Handel?
Sunseeker nennt Februar 2027, Ecovacs das Jahr 2027 ohne Monat. Für die Geräte von eufy, Dreame, Anthbot und MOVA gibt es kein Datum. Realistisch sind erste Auslieferungen zur Saison 2027, weil die Mähsaison in Deutschland im Oktober endet.





