Gemini 3.5 Pro sollte Googles Antwort auf GPT-5.6 und Claude Sonnet 5 werden. Stattdessen berichten mehrere Medien übereinstimmend, dass Google den Start des Flaggschiff-Modells auf unbestimmte Zeit verschiebt, weil es intern die eigenen Erwartungen verfehlt. Am selben Tag verkündet der Konzern, dass NotebookLM künftig Gemini Notebook heißt. Ein neues Türschild ist eben schneller montiert als ein neues Gehirn.
Update: Drei neue Flash-Modelle, vom Pro weiter keine Spur
Google hat am 21. Juli nachgelegt, nur wieder eine Etage tiefer: Gemini 3.6 Flash ist das neue Arbeitspferd und verbraucht laut Google 17 Prozent weniger Output-Tokens als 3.5 Flash, dazu kommen ein schnelleres 3.5 Flash-Lite mit 350 Tokens pro Sekunde und das Sicherheits-Spezialmodell 3.5 Flash Cyber. Interessanter ist die Randnotiz in der Ankündigung: Gemini 3.5 Pro teste derzeit mit Partnern und komme, sobald es fertig sei. Für Gemini 4 hat parallel der bislang ambitionierteste Pre-Training-Lauf begonnen. Das Flaggschiff bleibt offiziell in der Warteschleife, während der Nachfolger schon rechnet.
- Google soll den Start von Gemini 3.5 Pro auf unbestimmte Zeit verschieben. Das Modell ist seit der I/O im Mai angekündigt, laut Berichten verfehlt vor allem die Programmier-Leistung die internen Erwartungen.
- Gemini 3.5 Flash und Flash-Lite sind bereits erschienen, zahlende Pro-Nutzer arbeiten weiter mit dem Anfang des Jahres vorgestellten Gemini 3.1 Pro.
- Parallel benennt Google NotebookLM in Gemini Notebook um und verspricht jedem Notizbuch schrittweise einen eigenen Cloud-Computer.
- Offiziell bestätigt ist die Verschiebung nicht, die Informationen stammen aus Berichten über anonyme Quellen.
Gemini 3.5 Pro verfehlt ausgerechnet beim Programmieren die Erwartungen
Der Kern des Problems liegt laut den Berichten in den Programmierfähigkeiten. Google soll die Trainingsdaten gezielt angepasst haben, um Code-Generierung und Code-Verständnis zu verbessern, die Resultate blieben aber hinter den Erwartungen zurück, fasst ComputerBase zusammen. Das ist bitter, denn Coding ist die Disziplin, in der sich KI-Abos gerade verkaufen. Die kleineren Geschwister Gemini 3.5 Flash und Flash-Lite sind längst draußen, wer für das Spitzenmodell zahlt, arbeitet weiter mit Gemini 3.1 Pro vom Jahresanfang. Die Hängepartie läuft dabei länger, als der Nachrichten-Takt vermuten lässt: Angekündigt wurde das Modell schon im Mai auf der Google I/O, der Start war für Juni geplant. Ein nachgeschobenes Training brachte laut Reuters und Bloomberg nicht den erhofften Sprung, seit Anfang Juli läuft lediglich eine begrenzte Vorschau für ausgewählte Kunden.
Alle Angaben zur Verschiebung stammen aus Berichten über nicht namentlich genannte Quellen. Google selbst hat sich bislang nicht geäußert. Das hier ist ein fundiertes Gerücht, keine Ankündigung.
Die Konkurrenz hat in vier Wochen geliefert
Was die Verzögerung so unangenehm macht, ist der Kalender drumherum. Ende Juni hat Anthropic Claude Sonnet 5 veröffentlicht, Anfang Juli kam Fable 5 aus der Exportsperre zurück, und OpenAI hat GPT-5.6 mit gleich drei Modellstufen für alle geöffnet. Beide Anbieter glänzen genau dort, wo Google gerade strauchelt: beim Code. Für zahlende Gemini-Kunden stellt sich damit jede Woche dringlicher die Frage, wofür sie eigentlich zahlen.
Neuer Name statt neuem Modell: NotebookLM wird Gemini Notebook

Geliefert hat Google in dieser Woche trotzdem etwas: einen Namen. Das Recherche-Werkzeug NotebookLM heißt künftig Gemini Notebook, rückt enger an die Gemini-App und soll schrittweise pro Notizbuch einen eigenen abgesicherten Cloud-Computer bekommen, berichtet ebenfalls ComputerBase. Die Stoßrichtung kennt man: Alles wandert in die eine App, so wie OpenAI gerade seinen Browser in ChatGPT gefaltet hat. Gegen die Konsolidierung ist nichts zu sagen. Sie ersetzt nur kein Spitzenmodell.
Nachtrag vom 25. Juli: Immerhin beim Agenten liefert Google inzwischen, nur eben nicht hier. Gemini Spark rollt für AI-Pro-Nutzer aus, Europa bleibt komplett außen vor.
Für dein Smart Home heißt das: Das neue Hirn lässt auf sich warten
Der Blickwinkel, der mich dabei am meisten interessiert: Google rollt Gemini gerade in Lautsprecher und Smart Displays aus, auch in Deutschland. Der Assistent, der da ins Wohnzimmer einzieht, hängt am Ende an genau den Modellen, die jetzt klemmen. Abschreiben würde ich Google trotzdem nicht: Der Konzern galt nach dem ChatGPT-Start schon einmal als abgehängt und hat mit Gemini aufgeholt. Nur wiederholt sich so ein Comeback nicht per Umbenennung, sondern per Modell, das die eigenen Benchmarks übersteht. Während Google noch verschiebt, hat ein Labor in Peking mit Kimi K3 pünktlich geliefert und die US-Preise unterboten. Genau diese Abhängigkeit von einer Handvoll US-Anbietern ist es auch, gegen die die EU inzwischen mit einem eigenen Maßnahmenpaket vorgeht.
Der Stand bei Gemini, kurz sortiert
Wann erscheint Gemini 3.5 Pro?
Offen, Stand 28. Juli. Das Modell ist seit der Google I/O im Mai angekündigt, der Start wurde laut Berichten mehrfach verschoben, ein neuer Termin fehlt. Offiziell bestätigt ist die Verschiebung nicht.
Warum verzögert sich Gemini 3.5 Pro?
Das Modell soll die internen Erwartungen verfehlen, vor allem bei den Programmierfähigkeiten. Angepasste Trainingsdaten für bessere Code-Generierung brachten laut Berichten nicht die erhofften Resultate.
Was ändert sich bei NotebookLM?
NotebookLM heißt künftig Gemini Notebook, wird enger in die Gemini-App integriert und soll schrittweise pro Notizbuch einen eigenen abgesicherten Cloud-Computer erhalten. Der Funktionsumfang wächst, der Dienst bleibt bestehen.
Welche Gemini-Modelle sind aktuell verfügbar?
Gemini 3.6 Flash, das schnellere Gemini 3.5 Flash-Lite und das Sicherheitsmodell Gemini 3.5 Flash Cyber sind veröffentlicht. Das aktuelle Spitzenmodell bleibt Gemini 3.1 Pro vom Jahresanfang, das vor allem bei Logik-Aufgaben stark ist.





