Linux Gaming hatte lange ein festes Feindbild, und das hieß Epic Games. Jahrelang war der Fortnite-Konzern der lauteste Verweigerer der Plattform, inklusive der immer gleichen Anti-Cheat-Begründung. Ausgerechnet von dort kommt jetzt die Nachricht der Woche: Epic arbeitet an einer nativen Linux-Version seines Store-Launchers. Zusammen mit einem bemerkenswerten Anti-Cheat-Rückzieher von Ubisoft und dem frischen Kernel 7.2 ergibt das ein Momentum, das man der Plattform vor zwei Jahren nicht zugetraut hätte. Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme, inklusive der Haken.
Update 18. August: GeForce NOW läuft jetzt offiziell stabil auf Linux
Passend zum Momentum hat Nvidia seine native Linux-App für GeForce NOW nach sieben Monaten Beta-Phase in den stabilen Betrieb entlassen, offiziell unterstützt ab Ubuntu 24.04, samt eigenem Flatpak-Repo für die einfache Installation. Über 4.500 Spiele laufen damit aus der Cloud, Raytracing und DLSS inklusive, eine werbefinanzierte Gratis-Stufe gibt es auch. Für alle, die Gaming abseits von Windows erst einmal risikofrei ausprobieren wollen, ist das der bequemste Einstieg überhaupt: nichts installieren, nichts umpartitionieren. Und eine kleine Pointe steckt auch drin: Über die Cloud läuft sogar Fortnite auf dem Linux-Rechner, weil das Anti-Cheat dann auf Nvidias Servern wohnt statt im eigenen Kernel.
- Epic bestätigt offiziell die Arbeit an einem nativen Linux-Launcher für den Epic Games Store, Zeitrahmen: bald, aber nicht im nächsten Preview-Build
- Fortnite bleibt vorerst trotzdem außen vor, das Kernel-Anti-Cheat gibt Linux weiterhin nicht frei
- Ubisoft hat Easy Anti-Cheat aus Ghost Recon Wildlands entfernt, das Spiel läuft damit erstmals auf Linux und SteamOS
- Der Linux-Kernel 7.2 ist final, mit neuer Hardware-Unterstützung, parallel testet Valve schon den Proton-11-Nachschub
- Der Treiber hinter allem: Steam Deck, Steam Machine und das nahende Windows-10-Support-Ende
Epic bestätigt den Linux-Launcher, und die Pointe steckt im Absender

Die Bestätigung kam unspektakulär daher: Ein Epic-Mitarbeiter beantwortete Community-Fragen und bestätigte dabei, dass eine native Linux-Version des Store-Launchers in Arbeit ist, berichtet GamingOnLinux. Im nächsten Preview-Build steckt sie noch nicht, es brauche mehr als nur einen nativ laufenden Build, der Zeitrahmen bleibt ein vages „bald“. Bisher behalfen sich Linux-Spieler mit Community-Werkzeugen wie dem Heroic Games Launcher oder Lutris, um ihre Epic-Bibliothek überhaupt starten zu können.
Warum das mehr ist als eine Produktnotiz: Epic-Chef Tim Sweeney hat Linux-Support über Jahre öffentlich abmoderiert, und Fortnite ist bis heute das prominenteste Spiel, das auf Linux schlicht nicht läuft. Daran ändert übrigens auch der Launcher nichts, das Kernel-Anti-Cheat bleibt vorerst zu. Aber wenn selbst der lauteste Verweigerer anfängt, für die Plattform zu bauen, hat sich die Rechnung dahinter geändert. Und die heißt vermutlich: Millionen verkaufte Steam Decks plus eine wachsende Zahl von Windows-Flüchtlingen sind ein Markt, den man nicht mehr Valve allein überlässt.
Das Anti-Cheat-Tauwetter: Wildlands wirft EAC nach neun Jahren raus
Passend dazu die zweite Meldung: Ubisoft hat Easy Anti-Cheat aus Ghost Recon Wildlands entfernt, neun Jahre nach Release. Damit läuft der Open-World-Shooter erstmals auf Linux und SteamOS, und Koop-Runden, die vorher am Anti-Cheat scheiterten, funktionieren laut ersten Nutzerberichten problemlos. Die Ausrede, Anti-Cheat und Linux vertrügen sich grundsätzlich nicht, war ohnehin schon dünn: Easy Anti-Cheat unterstützt Proton seit 2021, Titel wie Apex Legends und Rust haben den Schalter vor Jahren umgelegt.
Die ehrliche Fußnote liefert der GamingOnLinux-Praxistest gleich mit: EAC weg heißt nicht reibungslos. Es bleiben der Denuvo-Kopierschutz, ein Ubisoft-Connect-Launcher ohne Gamepad-Unterstützung und ein seit Langem kaputtes Controller-Profil, das man von Hand reparieren muss. Danach läuft das Spiel auf Valves Steam Machine flüssig auf hohen Einstellungen. Das ist die realistische Zusammenfassung des Linux-Gaming-Jahres 2026: Die großen Blocker fallen, die kleinen Nervereien bleiben.
Kernel 7.2, Proton-Nachschub und Valves stille Armee
Unter der Haube liefert die Woche gleich doppelt: Der Linux-Kernel 7.2 ist final, mit frischer Hardware-Unterstützung und Optimierungen, und Valve testet parallel bereits den Release-Kandidaten von Proton 11. Das klingt nach Maschinenraum-Kram, ist aber der Grund, warum aktuelle Gaming-Hardware unter Linux inzwischen meist einfach läuft. Die eigentliche Armee dahinter steht längst in den Wohnzimmern: Steam Deck und Steam Machine haben SteamOS zur normalsten Linux-Erfahrung der Welt gemacht, Millionen Spieler nutzen Linux, ohne je ein Terminal gesehen zu haben.
Was das für den Windows-Abschied bedeutet
Der Zeitpunkt dieses Momentums ist kein Zufall: Mit dem Windows-10-Support-Ende suchen gerade viele Spieler eine Ausweichroute, und Gaming war historisch DER Grund, warum der Linux-Umstieg am Ende doch abgesagt wurde. Diese Rechnung dreht sich. In der Community sind die Umsteiger-Erfahrungsberichte inzwischen ein eigenes Genre, der Tenor: Die Bibliothek läuft, Rocket League per Proton inklusive, und zurück will kaum jemand. Wer den Schritt erwägt, hat mit TUXEDO OS aus Augsburg seit dieser Woche sogar eine frische deutsche Option, und die Gaming-Distros von SteamOS bis Bazzite senken die Hürde weiter.
Bevor du Windows den Stecker ziehst: Prüfe deine meistgespielten Titel auf ProtonDB und die Multiplayer-Titel auf areweanticheatyet.com. Läuft dort alles außer Fortnite und Valorant grün, steht dem Wechsel spieleseitig nichts mehr im Weg. Hängst du an einem Kernel-Anti-Cheat-Titel, bleibt ein Windows-Dualboot vorerst der ehrliche Kompromiss.
Bleibt die ehrliche Schlussbilanz: Die letzte echte Grenze sind die Kernel-Anti-Cheat-Titel, und ob Epics Launcher-Ankündigung der erste Schritt ist, auch diese Tür zu öffnen, weiß heute niemand. Aber die Richtung stimmt zum ersten Mal seit Jahren durchgehend. Und weil ich bei Linux selbst eher neugieriger Einsteiger als Veteran bin und beim Recherchieren dieselben Fragen hatte wie vermutlich die meisten Umsteiger, arbeite ich die gerade in Ruhe ab: Der große Windows-10-Umstiegs-Ratgeber steht auf meiner Liste. Wer bis dahin schon mal die Finger sortieren will: Gaming-Tastaturen sprechen zum Glück jedes Betriebssystem.
Die Fragen hinter dem Hype
Läuft Fortnite jetzt auf Linux?
Nein. Epics angekündigter Linux-Launcher betrifft den Store, nicht Fortnite. Dessen Kernel-Anti-Cheat gibt Linux weiterhin nicht frei, daran ändert auch die Launcher-Ankündigung vorerst nichts.
Was bringt ein nativer Epic-Launcher gegenüber Heroic oder Lutris?
Offiziellen Support statt Community-Werkzeug: direkte Bibliotheksverwaltung, die wöchentlichen Gratis-Spiele und Updates ohne Umwege. Vor allem ist es ein Signal an Entwickler, dass Epic Linux als Plattform ernst nimmt. Heroic und Lutris bleiben bis dahin die bewährten Brücken.
Welche Spiele laufen unter Linux weiterhin nicht?
Vor allem Titel mit Kernel-Level-Anti-Cheat wie Fortnite oder Valorant. Der Status einzelner Multiplayer-Spiele lässt sich auf areweanticheatyet.com nachschlagen, die allgemeine Kompatibilität auf ProtonDB.
Welches Linux eignet sich für den Gaming-Umstieg?
Für reine Spiele-PCs und Handhelds sind SteamOS und Ableger wie Bazzite die bequemste Route, Nobara und CachyOS richten sich an Bastler mit Leistungsanspruch. Wer einen Allround-Desktop mit deutschem Support sucht, bekommt mit TUXEDO OS eine frische Option. Ein ausführlicher Umstiegs-Ratgeber ist in Arbeit.





