Apple verklagt OpenAI, und die Klageschrift liest sich wie ein Wirtschaftskrimi mit Ansage. Der Vorwurf: Die ChatGPT-Firma habe zusammen mit zwei ehemaligen Apple-Mitarbeitern vertrauliche Design- und Fertigungsgeheimnisse gestohlen, um ihr geheimes KI-Gerät zu bauen. Die WirtschaftsWoche und praktisch jede große Redaktion berichten darüber. Und wer unsere OpenAI-Serie verfolgt, ahnt: Das passt ins Bild einer Firma, die gerade an allen Fronten expandiert.
- Apple hat Klage gegen OpenAI und zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter wegen Diebstahls von Firmengeheimnissen eingereicht.
- Im Zentrum steht Tang Tan, über 20 Jahre bei Apple und dort für das Design von iPhone und Apple Watch zuständig, heute Hardware-Chef bei OpenAI.
- Es geht um ein neuartiges KI-Gerät, das OpenAI mit Design-Legende Jony Ive entwickelt. Auch die von beiden mitgegründete Firma io Products (2025 für rund 6,5 Milliarden Dollar von OpenAI gekauft) wurde verklagt.
- Laut Klage sollen Bewerber aufgefordert worden sein, Apple-Bauteile wie Batterien und Gehäuse zu Job-Interviews mitzubringen. Über 400 Ex-Apple-Leute arbeiten inzwischen bei OpenAI.
- OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Pikant: Beide Firmen sind zugleich KI-Partner, Siri reicht Anfragen an ChatGPT weiter.
Ein Designer, der iPhone und Apple Watch formte, baut jetzt für die Konkurrenz
Die Hauptfigur der Klage ist Tang Tan. Er arbeitete mehr als 20 Jahre bei Apple und verantwortete zuletzt das Design von iPhone und Apple Watch, also von zwei der wichtigsten Produkte der Firmengeschichte. Heute ist er Hardware-Chef bei OpenAI und spielt eine zentrale Rolle bei dem KI-Gerät, an dem die ChatGPT-Firma arbeitet. Apple wirft ihm vor, vertrauliche Informationen zum Vorteil von OpenAI missbraucht zu haben. Besonders plastisch: Tan soll Apple-Beschäftigte aufgefordert haben, zu Bewerbungsgesprächen bei OpenAI Bauteile mitzubringen, darunter Batterien und Gerätegehäuse in verschiedenen Farben. Ein weiterer verklagter Ex-Ingenieur soll noch als OpenAI-Angestellter über einen mitgenommenen Firmenrechner auf Apple-Daten zugegriffen haben.
Jony Ive, io Products und die 6,5-Milliarden-Abkürzung
Der zweite große Name fehlt in der Klage namentlich, steht aber überall zwischen den Zeilen: Jony Ive, Apples langjähriger Design-Visionär hinter der Form von iPhone und MacBook. Ive und Tan gründeten gemeinsam die Firma io Products, die OpenAI 2025 für rund 6,5 Milliarden Dollar gekauft hat. Genau dieses io hat Apple mitverklagt, um zu verhindern, dass darüber weiter Apple-Wissen einfließt. Der Sog wirkte: Laut Klage arbeiten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Leute bei OpenAI. Apple formuliert es drastisch, das ganze Hardware-Projekt sei „bis ins Mark verrottet“, weil es auf illegal erworbenen Geheimnissen aufbaue, und OpenAI habe „rechtswidrige Abkürzungen“ genommen, weil das Gerät sich als schwieriger erwies als gedacht.
Der Partner, den man verklagt
Das Absurde an der Sache: Apple und OpenAI sind gleichzeitig Partner. Wenn Siri eine Frage nicht beantworten kann, reicht sie sie an ChatGPT weiter, seit Jahren. Und Medienberichten zufolge hatte umgekehrt OpenAI vor einigen Monaten selbst erwogen, Apple wegen Vertragsbruchs zu verklagen, weil die Partnerschaft schlechter lief als erhofft. Zwei Konzerne, die sich gegenseitig brauchen und gleichzeitig vor Gericht ziehen. Das ist die neue Normalität im KI-Geschäft, wo sich alle mit allen verbünden und verklagen, oft in derselben Woche.
Warum das mehr ist als ein Promi-Streit
Für sich genommen ist ein Geheimnisverrats-Prozess Branchen-Alltag. Im Zusammenhang wird daraus etwas Größeres. OpenAI baut gerade an allen Ecken: ChatGPT wird zur Superapp, der eigene Atlas-Browser wich der App, mit GPT-5.6 kam das nächste Modell, und die erste eigene Hardware war eine Coding-Tastatur. Das große KI-Gerät sollte der nächste Schritt sein, der Griff nach dem Ort, den Apple mit dem iPhone besetzt hat: deiner Hosentasche. Genau dieses Projekt liegt jetzt unter einem juristischen Schatten, und das ausgerechnet, während OpenAI seinen Börsengang vorbereitet. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, klärt ein Gericht. Der Zeitpunkt ist für OpenAI so oder so ungünstig.
Die Klage in vier Antworten
Warum verklagt Apple OpenAI?
Apple wirft OpenAI und zwei ehemaligen Apple-Mitarbeitern den Diebstahl von Firmengeheimnissen vor. Es geht um vertrauliche Design- und Fertigungsinformationen, die OpenAI laut Klage für die Entwicklung seines KI-Geräts genutzt haben soll.
Wer ist Tang Tan?
Tang Tan war über 20 Jahre bei Apple und dort für das Design von iPhone und Apple Watch verantwortlich. Heute ist er Hardware-Chef bei OpenAI und eine zentrale Figur beim geplanten KI-Gerät. Er ist einer der beiden Hauptbeklagten in Apples Klage.
Was hat Jony Ive damit zu tun?
Jony Ive, früherer Chefdesigner von Apple, entwickelt das KI-Gerät mit OpenAI. Er wird in der Klage nicht namentlich genannt, wohl aber die von ihm und Tang Tan mitgegründete Firma io Products, die OpenAI 2025 für rund 6,5 Milliarden Dollar übernommen hat und die Apple mitverklagt.
Sind Apple und OpenAI nicht Partner?
Ja. Siri reicht Anfragen, die sie nicht beantworten kann, an ChatGPT weiter. Beide Firmen sind also KI-Partner und Konkurrenten zugleich. OpenAI soll zuvor selbst eine Klage gegen Apple erwogen haben, weil die Partnerschaft schlechter lief als erwartet.





