An meiner Wooting 80HE habe ich Anfang 2025 fünf verschiedene Magnet-Switches durchprobiert, weil mich der Klang der serienmäßigen gestört hat. Jetzt kommt die Wooting 80HE+, und Wooting hat ausgerechnet an den zwei Stellen geschraubt, die mich damals beschäftigt haben: Switch Plate und Switches. Dazu gibt es endlich einen Drehregler.
Und trotzdem bin ich vorsichtig. Das hat weniger mit Wooting zu tun als mit meinem eigenen Schreibtisch.
- Die Wooting 80HE+ löst die 80HE vollständig ab, Vorbestellung startet am 17. September 2026, die Preise bleiben laut Wooting identisch zur 80HE.
- Neu sind eine FR4-Switchplate statt Polycarbonat, Lekker-Tikken-Switches mit geschlossenem Gehäuse, Dämmschaum im Gehäuseboden und der programmierbare Lekker Knob Large.
- Zwei Liefertermine statt einem: Kunststoffmodelle und Module ohne Drehregler kommen laut Wooting Ende Oktober, alles mit Zinc-Gehäuse oder mit Drehregler im Warenkorb erst Mitte Dezember.
- Das Gehäuse der alten 80HE lässt sich NICHT weiterverwenden. Laut Wooting drückt eine Rippe im Inneren gegen ein Kabel des neuen Moduls und kann es beschädigen.
- Fremdgehäuse gehen dagegen: Für GT-80 und Holy80 sagt Wooting Kompatibilität zu, möglich macht das ein separates USB-Tochterboard.
- ISO gibt es, aber nur beim Modul: Laut Wooting-Video kommt die 80HE+ in ANSI- und ISO-Konfiguration mit geteilter Leertaste, die fertig montierten Tastaturen bleiben davon ausgenommen. Ob ISO-DE-Keycaps mit deutschen Legenden dabei sind, ist weiter offen.
Was Wooting tatsächlich angefasst hat
Die Liste ist länger, als ein Pluszeichen vermuten lässt. Die Switch Plate, also die Platte, in der die Schalter sitzen, besteht nun aus FR4 statt aus Polycarbonat. Dazu kommt eine zusätzliche Dämmschicht im Gehäuseboden.
Serienmäßig stecken jetzt die Lekker-Tikken-Switches drin, die Wooting schon in der überarbeiteten 60HE verbaut. Sie sind weiterhin analog und damit in der Auslösetiefe konfigurierbar, haben aber ein geschlossenes Gehäuse, was den Klang dämpfen soll.
Dazu Kosmetik und Komfort: Die schwarze ABS-Version (Kunststoff, bei Wooting recyceltes PCR-ABS) bekommt ein leicht lichtdurchlässiges Oberteil, die Zinc-Version (Gehäuse aus einer Zinklegierung) eine haltbarere Beschichtung, und wer den Bausatz kauft, kann die Leertaste in drei einzeln programmierbare Tasten aufteilen lassen. Die geteilte Leertaste gibt es zum Start nur beim Modul, nicht bei der fertigen Tastatur.
Wooting selbst erklärt die Änderungen in einem Video, das den schönen Titel „So… where did the Wooting 80HE go?“ trägt. Der Titel ist schon die halbe Nachricht: Die alte 80HE ist aus den Shops verschwunden, und das hat einen Grund.
Der Drehregler ist die Neuerung, auf die ich gewartet habe
Der Lekker Knob Large ersetzt vier Tasten und lässt sich frei belegen, etwa für Lautstärke oder Medientasten. Bei der vormontierten Zinc-Version liegt er serienmäßig bei, die ersetzten Tasten kommen zum Nachrüsten mit in den Karton. Käufer der ABS-Version können ihn separat und vergünstigt dazukaufen.
Umsonst gibt es ihn allerdings nicht: Bei der Zinc-Version fällt im Gegenzug das Travel Case weg, das bei der 80HE noch dabei war. Wooting sagt das im Video ohne Umschweife.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber der Punkt, an dem die 80HE gegenüber Custom-Boards immer alt aussah. Ein Drehregler ist in dieser Preisklasse seit Jahren Standard, nur eben nicht bei Wooting.
Beim Klang bin ich skeptisch, und das liegt an meiner eigenen 80HE
Hier wird es unbequem. In meinem Switch-Test an der 80HE steht im ersten Absatz, dass der Sound nach dem Tape-Mod in Ordnung war. Das ist eine höfliche Formulierung dafür, dass er es vorher nicht war, jedenfalls nicht in meinem ABS-Gehäuse.
Und die serienmäßigen Lekker L60 V2 habe ich damals so beschrieben: solide, verlässlich, aber „ein bisschen unspektakulär“, mit einem Klangbild, das mal hell und klar war und mal dumpf. In der Vergleichstabelle steht bei ihnen „variabel“ und nicht etwa „ausgewogen“. Von fünf getesteten Switches war der Gateron Jade Max HE mein Favorit, nicht der von Wooting. Seitdem standen hier die Gamakay TK75 TMR und zwei weitere Magnet-Boards, und der Klang war jedes Mal eine Gehäusefrage.
Vor diesem Hintergrund lese ich die Änderungen nüchterner. FR4 ist härter und steifer als Polycarbonat, das macht den Anschlag definierter, tendenziell aber auch klackiger. Wooting fängt das mit Dämmschaum im Boden ab und verspricht einen tieferen, solideren Klang.
Kann klappen. Nur ist das eine Rechnung mit zwei gegenläufigen Posten, und ob sie im leichten ABS-Gehäuse aufgeht, hat bisher niemand nachgemessen. Getestet hat die 80HE+ noch keiner, auch ComputerBase nicht. Alles, was derzeit über den Klang zu lesen ist, stammt aus Wootings eigener Änderungsliste.
Ja, es ist ein Hype-Produkt. Und ich bin der Letzte, der hier den Türsteher gibt

Ein Satz gehört zu aller Kritik dazu: Die 80HE ist auch ein Hype-Produkt. Wooting hat Rapid Trigger groß gemacht, seitdem steht die Marke in jedem Gaming-Forum, und ein Teil des Preises ist der Ruf.
Nur ist mir das inzwischen ziemlich egal, weil ich sehe, was dieser Hype anrichtet. Ich kenne eine ganze Reihe jüngerer Leute, Schüler darunter, die über eine Wooting überhaupt erst zum Thema gekommen sind. Die tauschen heute Switches und diskutieren über Plate-Materialien.
Das ist genau der Weg, den ich selbst gegangen bin, nur ein paar Jahre früher und mit weniger Ahnung. Für Gatekeeping stehe ich hier deshalb nicht zur Verfügung.
Dazu kommt, dass ich mich mit Tastaturen nicht viel länger beschäftige als mancher Wooting-Jünger. Auf meinem Schreibtisch stand jahrelang eine RGB-beleuchtete Plastiktastatur, die bei jedem Anschlag nachklang wie eine angetippte Keksdose. Wer da herkommt, muss über Einsteiger-Hardware nicht die Nase rümpfen.
Die Wooting 80HE+ gibt es im ISO-Layout, und das ist nicht dasselbe wie ISO-DE
ComputerBase schreibt, auch das PCB mit geteilter Leertaste gebe es im ISO-Layout, also mit der großen Eingabetaste. Wooting bestätigt das im eigenen Ankündigungsvideo bei Minute 2:15: Die 80HE+ kommt in ANSI- und ISO-Konfiguration mit geteilter Leertaste.
Dazu gehört aber eine Einschränkung, die den praktischen Unterschied macht. Das gilt ausschließlich für das Modul zum Selbstkonfigurieren, nicht für die fertig montierten Kompletttastaturen. Wer ISO will, baut also selbst zusammen.
Nur beantwortet ISO nicht die Frage, die hier zählt. ISO beschreibt die Form der Tasten, vor allem die hohe Enter-Taste und die zusätzliche Taste links unten. ISO-DE heißt zusätzlich: deutsche Beschriftung, Umlaute, das scharfe S an der richtigen Stelle.
Dein altes Gehäuse passt nicht, ein GT-80 dagegen schon
Diese Frage stellt sich jeder, der schon eine 80HE besitzt, und Wooting beantwortet sie in der FAQ zur 80HE+ mit einem klaren Nein. Das Originalgehäuse habe innen eine Rippe, die gegen ein Kabel im neuen Modul drücken und es beschädigen könne.
Das ist bemerkenswert offen formuliert für einen Hersteller, und es ist ärgerlich für alle, die auf ein günstiges Modul-Upgrade gehofft hatten. Wer aufrüsten will, kauft das Gehäuse mit.
Die Ironie dabei: Fremdgehäuse funktionieren. Dank eines separaten Tochterboards für den USB-Anschluss sagt Wooting laut ComputerBase Kompatibilität mit dem GT-80 und dem Holy80 zu. Das eigene Vorgängergehäuse fällt durch, die der Konkurrenz nicht.
Zwei Liefertermine, und der Drehregler entscheidet, in welchen du fällst

Wooting nennt zwei Liefertermine, nicht einen. Kunststoffmodelle und Module ohne Drehregler sollen Ende Oktober rausgehen, alles mit Zinc-Gehäuse oder mit Drehregler im Warenkorb erst Mitte Dezember.
Wer die FAQ auf der Produktseite liest, findet dort frühere Daten, nämlich Mitte Oktober und Mitte Dezember. Das sind die Termine, an denen die Ware im Lager erwartet wird, nicht die Lieferung. Alle Angaben sind ausdrücklich Schätzungen, und den endgültigen Termin zeigt Wooting nach eigener Aussage im Bestellprozess an.
Der Drehregler ist dabei das Kriterium, nicht die Gehäusevariante. Wer ein Kunststoffmodell bestellt und den Knob dazulegt, wartet ebenfalls bis Dezember.
Beim Preis ist Wooting im Video deutlicher als in der FAQ: Die 80HE+ kommt zum selben Preis wie die 80HE, quer durch alle Varianten. Das Modul wird sogar etwas günstiger, weil kein Gehäuse mehr dazugekauft werden muss, es bringt das Tochterboard gleich mit. Zur Einordnung: ComputerBase führt die 80HE mit Metallgehäuse im Test mit 320 Euro.
Warum es später wird, erklärt Wooting genauer als die halbe Branche
Die interessanteste Stelle im Video ist nicht das Produkt, sondern die Begründung. Ab Minute 3:24 nimmt sich Wooting anderthalb Minuten, um zwei Produktionsprobleme zu erklären, und zwar mit Ursache statt mit Floskel.
Beim Lekker Knob Large fiel an einer größeren Produktionscharge auf, dass das Drehmoment von Exemplar zu Exemplar schwankte, also der Kraftaufwand beim Drehen. Schuld war das Kugellager im Inneren und die Art, wie es eingesetzt wurde. Der Einbau wurde geändert, der Termin rutschte.
Das zweite Problem saß auf der Platine. Beim Abziehen der PET-Schutzfolie löste sich stellenweise die neue wasserabweisende Beschichtung mit ab und hinterließ sichtbare Flecken. Weil die genaue Ursache nicht gefunden wurde, geht Wooting zurück auf die bewährte Beschichtung aus 60HE und 68HE v2.
Und weil die Produktion der alten 80HE zu diesem Zeitpunkt längst gestoppt war, stehen die Shops jetzt leer. Das ist die Antwort auf die Frage im Videotitel, und es ist auch der Grund für diese ungewöhnlich beiläufige Ankündigung.
So etwas ist in dieser Branche selten. Tastaturen verschieben sich regelmäßig um Monate, und begründet wird das oft mit gar nichts. Wooting kippt dabei auch nicht ins Gegenteil, in dieses Klagelied, bei dem die Lieferkette an allem schuld ist und am Ende der Preis steigt.
Die Linie dazwischen ist dünn, und ich finde, sie treffen sie. Dazu kommt etwas, das ich an der Firma mag: Wooting kommt aus den Niederlanden, und der Chef stellt sich selbst vor die Kamera und erklärt, warum sein Produkt später kommt. Eine europäische Firma, die sich in einer von Asien und den USA dominierten Nische weltweit einen Namen gemacht hat, und die dann auch noch so auftritt.
Mir fällt auf, dass ich mich auf den Drehregler freue und beim Rest die Arme verschränke. Anfang 2025 habe ich fünf Switch-Sätze gekauft, um einen Klang zu reparieren, der mich gestört hat. Jetzt verkauft mir derselbe Hersteller genau diese Reparatur als Nachfolger, und ich soll ein Gehäuse mitkaufen, weil mein altes eine Rippe an der falschen Stelle hat. Das ist vermutlich der Moment, in dem aus einem Enthusiasten ein Kunde mit Gedächtnis wird.
Für mich rechnet sich eher ein fremdes Case und ein Satz anderer Switches
Wer noch keine Wooting hat und eine sucht, wartet bis zum 17. September. Die 80HE+ ersetzt die alte Version vollständig, und zum selben Preis bekommt man die besseren Interna. Für diese Gruppe ist die Sache klar.
Für mich als Besitzer der alten 80HE sieht die Rechnung anders aus. Wenn ich ohnehin ein Gehäuse dazukaufen muss, weil meines nicht mehr passt, kann ich dieses Geld auch gleich in ein Fremdgehäuse stecken. Ein GT-80 ist laut Wooting kompatibel, dazu ein Satz Switches, der mir klanglich besser gefällt als die hauseigenen.
Genau das habe ich Anfang 2025 schon einmal gemacht, nur eben mit dem alten PCB. An der Reihenfolge meiner Favoriten ändert eine neue Switch Plate erst einmal nichts.
Dazu kommt, was in den letzten zwei Jahren unterhalb von Wooting passiert ist. Magnet-Tastaturen sind längst keine 320-Euro-Angelegenheit mehr: Die Epomaker HE68 Lite bringt Hall-Effekt mit echtem ISO-DE für 70 Euro, und mit der Gamakay TK75 TMR steht schon die nächste Sensorgeneration im Regal.
Wer heute in die Kategorie einsteigt, muss nicht mehr bei Wooting anfangen. Und wer wie ich schon drin ist, kauft vielleicht eher ein Gehäuse und eine Handvoll Switches als eine zweite Tastatur.
Ich schaue trotzdem am 17. September in den Konfigurator. Wenn dort ISO-DE steht und jemand die FR4-Rechnung im ABS-Gehäuse nachgemessen hat, entscheide ich neu.
Häufige Fragen zur Wooting 80HE+
Wann kann ich die Wooting 80HE+ vorbestellen?
Am 17. September 2026 öffnet Wooting die Vorbestellung. Ausgeliefert wird gestaffelt: Kunststoffmodelle und Module ohne Drehregler laut Ankündigungsvideo Ende Oktober, alles mit Zinc-Gehäuse oder mit Drehregler im Warenkorb erst Mitte Dezember. Die endgültigen Termine zeigt Wooting nach eigener Aussage im Bestellprozess an.
Was kostet die Wooting 80HE+?
Genauso viel wie die 80HE. Wooting sagt im Ankündigungsvideo ausdrücklich, dass die Preise über alle Varianten hinweg identisch bleiben. Das Modul wird sogar etwas günstiger, weil es das Tochterboard mitbringt und kein Gehäuse mehr dazugekauft werden muss. Zur Einordnung: ComputerBase führte die 80HE mit Metallgehäuse im Test mit 320 Euro. Die exakten Zahlen stehen zum Vorbestellstart am 17. September im Shop.
Passt mein altes Wooting-80HE-Gehäuse an das 80HE+ Modul?
Nein. Wooting beantwortet das in der FAQ eindeutig: Das Originalgehäuse der 80HE hat innen eine Rippe, die gegen ein Kabel im 80HE+ Modul drücken und dieses beschädigen kann. Fremdgehäuse funktionieren dagegen, für das GT-80 und das Holy80 sagt Wooting Kompatibilität zu.
Gibt es die Wooting 80HE+ in ISO-DE?
Teilweise. Wooting bestätigt im Ankündigungsvideo bei Minute 2:15, dass die 80HE+ in ANSI- und ISO-Konfiguration mit geteilter Leertaste kommt, allerdings nur als Modul zum Selbstzusammenbauen und nicht als fertig montierte Tastatur. ISO beschreibt dabei nur die Tastenform, nicht die Beschriftung. Ob Wooting Keycaps mit deutschen Legenden und Umlauten anbietet, zeigt sich erst im Konfigurator am 17. September.
Was ist der Unterschied zwischen Wooting 80HE und 80HE+?
Die wichtigsten Änderungen sind eine FR4-Switchplate statt Polycarbonat, neue Lekker-Tikken-Switches mit geschlossenem Gehäuse, zusätzlicher Dämmschaum im Gehäuseboden und der programmierbare Lekker Knob Large. Dazu kommen eine optional geteilte Leertaste beim Modul, ein lichtdurchlässiges Oberteil bei der schwarzen ABS-Version und eine haltbarere Beschichtung beim Zinc-Gehäuse. Die 80HE+ ersetzt die 80HE vollständig.





