Die Fritz!Box ist in Deutschland weniger ein Router als ein Möbelstück. Sie steht im Flur, sie funktioniert, und niemand fragt ernsthaft nach Alternativen. Genau diese Selbstverständlichkeit greift TP-Link jetzt an, und zwar gleich doppelt. Im Sommer 2026 kommt die TP-LinkBox 7, das erste DSL-Komplettgerät, das ein globaler Hersteller eigens für den deutschen Markt baut. Im Herbst legt der Konzern mit dem ersten Wi-Fi-8-Router nach. Das ist mehr als ein Produktstart, das ist eine Ansage Richtung Berlin.
VDSL-Modem, DECT und ein analoger Anschluss
Unter der Haube der TP-LinkBox 7 steckt ein VDSL-Modem mit Unterstützung für VDSL2 35b, also Supervectoring. Die Box ist damit ausdrücklich kein reiner Router, sondern ersetzt das Modem gleich mit. Dazu kommen Wi-Fi 7, ein 2,5-Gigabit-Anschluss, zwei weitere Gigabit-LAN-Ports, DECT für die Schnurlostelefonie, ein analoger Telefonanschluss und USB 3.0.
DECT = der Funkstandard, über den schnurlose Festnetztelefone mit der Basisstation im Router sprechen.
Genau diese Telefon-Ausstattung ist der entscheidende Punkt. DECT und ein analoger Anschluss sind sehr deutsche Anforderungen, und sie sind ein Hauptgrund, warum die Fritz!Box hier so fest sitzt. Ich kenne das aus erster Hand: Bei mir steckt das Festnetz nur noch aus einem einzigen Grund in der Wand, nämlich damit mein Schwiegervater nicht alle paar Wochen fragt, warum wir denn kein Telefon mehr haben. Ein analoger Anschluss im Jahr 2026 klingt absurd, aber genau diese Absurdität hält sich in deutschen Haushalten hartnäckig. Dass TP-Link sie eins zu eins nachbaut, statt sie wegzurationalisieren, zeigt, wie ernst es der Hersteller mit dem deutschen Markt meint.
Der Haken: Wi-Fi 7 ohne 6 GHz
Eine Einschränkung gibt es, und sie ist nicht klein. Die Box funkt nicht auf 6 GHz. Viele setzen Wi-Fi 7 automatisch mit diesem zusätzlichen Frequenzband gleich, das für freie Bahn und hohe Tempi sorgt. Hier fehlt es. In der Praxis ist das ein Kompromiss und kein Drama, weil 6-GHz-fähige Geräte in den meisten Haushalten noch dünn gesät sind. Wer aber das Maximum aus Wi-Fi 7 holen will, schaut besser zu einem vollwertigen Wi-Fi-7-Gerät.
Wo AVM trotzdem vorn liegt
Hardware ist das eine, Software das andere. AVMs eigentliche Stärke ist das jahrelange Update-Versprechen und ein Funktionsumfang, der mit jedem FritzOS wächst, vom WireGuard-VPN bis zu den Smart-Home-Funktionen. TP-Link verspricht fünf Jahre Support und Sicherheitsupdates, das ist ein ordentliches Wort. Ob daraus die gleiche Update-Treue wird wie bei AVM, das selbst betagte Modelle noch mit frischer Firmware versorgt, muss die Box über die Jahre erst beweisen.
Und im Herbst kommt der erste Wi-Fi-8-Router

Während die Box auf Wi-Fi 7 setzt, hat TP-Link am 28. Mai schon den nächsten Schritt gezeigt: den Archer 8, nach eigenen Angaben den ersten Router mit Wi-Fi 8. Interessant ist daran die Richtung, denn Wi-Fi 8 will gar nicht schneller sein, sondern zuverlässiger.
Wi-Fi 8 = der kommende WLAN-Standard, technisch IEEE 802.11bn, dessen erklärtes Ziel nicht mehr Tempo ist, sondern eine besonders stabile Verbindung.
Der Standard trägt den Beinamen Ultra High Reliability: weniger Aussetzer, niedrigere Latenz, stabilere Übergaben zwischen Mesh-Punkten. In ersten Tests schafft der Archer 8 durch verbesserte Modulation bis zu 33 Prozent mehr Durchsatz, vor allem auf größere Distanz. Eile ist trotzdem keine geboten. Der Marktstart ist erst für Oktober 2026 geplant, vorbehaltlich der FCC-Freigabe in den USA, ein deutscher Termin und ein Preis fehlen noch. Wer heute ein stabiles Netz hat, verpasst bis dahin nichts.
Für wen sich das lohnt, und für wen nicht
Lohnen wird sich die TP-LinkBox 7 vor allem für alle, die 2026 sowieso einen neuen DSL-Router brauchen und Wi-Fi 7 wollen, ohne sich tief ins AVM-Ökosystem einzukaufen. Wer dagegen an FritzOS und seinen vielen Eigenheiten hängt, wechselt so schnell nicht.
Und dann gibt es noch die Gruppe, die TP-Link in der Ankündigung elegant übergeht: die Kabelkunden. Ich gehöre dazu, bei mir kommt das Internet über das Koaxkabel von Vodafone, nicht über die Telefonleitung. Für mich ist die Box damit schlicht das falsche Gerät, ein VDSL-Modem nützt am Kabelanschluss exakt nichts.
Und das ist keine Handvoll Leute. Von rund 38,7 Millionen Breitbandanschlüssen in Deutschland laufen laut Bundesnetzagentur etwa 8,5 Millionen über TV-Kabel, also ungefähr jeder fünfte Anschluss. Für all diese Haushalte ist die TP-LinkBox 7 schlicht nicht gebaut, da bleibt es bis auf Weiteres bei der Fritz!Box Cable. Wenn TP-Link AVM wirklich in der Breite angreifen will, ist das also noch ein langer Weg. Ein DSL-Gerät allein lässt ein Fünftel des Marktes einfach links liegen.
Endlich Zugzwang für AVM
Die TP-LinkBox 7 ist der erste ernst gemeinte Angriff auf die Fritz!Box, der die deutschen Eigenheiten wirklich versteht, Telefonie inklusive. Das fehlende 6-GHz-Band ist der Preis dafür, und ob die Software über die Jahre an AVM herankommt, weiß heute niemand. Mich persönlich holt die Box nicht ab, dafür hänge ich am falschen Kabel. Trotzdem ist der Vorstoß die beste Nachricht für Fritz!Box-Käufer seit Langem, denn zum ersten Mal seit Ewigkeiten steht AVM unter echtem Zugzwang. Konkurrenz hat dem Laden noch nie geschadet.





