Ein GNOME Dock, bei dem die Icons unter dem Mauszeiger anschwellen wie bei macOS und Fenster sich beim Minimieren wie aus der Wunderlampe ins Icon saugen lassen: Das verspricht Dhruva, eine noch junge Shell-Extension, die mir beim Stöbern in der Linux-Ecke von GitHub aufgefallen ist. Vorstellen lohnt sich, denn so viel Detailversessenheit sieht man bei Desktop-Werkzeugen selten.
- Dhruva ist eine Dock-Extension für GNOME Shell 45 bis 50 mit echter macOS-artiger Icon-Vergrößerung und sechs Fenster-Minimier-Effekten.
- Die Chameleon-Engine liest die Wallpaper-Farben und passt das Dock-Design automatisch an, dazu kommen Floating-Modus und Fenster-Vorschauen.
- Installation ohne Terminal über extensions.gnome.org oder den Extension Manager, lizenziert unter GPL 3.0.
- Rund 6.500 Downloads und 160 GitHub-Sterne, das Projekt existiert seit März 2026 und wird sehr aktiv gepflegt.
Warum ein GNOME Dock nicht ab Werk kommt
Kurzer Kontext für alle, die nicht täglich in Linux-Menüs wohnen: GNOME ist die Standard-Oberfläche von Ubuntu und Fedora, also genau das, was viele Windows-Umsteiger als Erstes sehen. Ab Werk zeigt GNOME seine Favoritenleiste aber nur in der Aktivitäten-Übersicht, ein dauerhaft sichtbares Dock wie bei macOS oder die Taskleiste von Windows fehlen. Extensions (kleine Erweiterungen, die sich in die Oberfläche einklinken) rüsten das nach. Platzhirsch ist seit Jahren Dash to Dock, solide und etwas nüchtern.
Dhruva, seit März auf GitHub und benannt nach dem Sanskrit-Wort für den Polarstern, tritt mit einem anderen Anspruch an. Der Entwickler beschreibt es als Dock, das „nicht kompromittiert“, und die Feature-Liste liest sich, als hätte jemand jede Desktop-Animation der letzten zwanzig Jahre gesammelt und auf GNOME portiert.
Magic Lamp bis CRT: Das Fenster verschwindet mit Stil

Das Aushängeschild ist die echte Magnification: Icons wachsen fließend, während sich der Mauszeiger nähert, die Nachbarn skalieren proportional mit. Genau die Welle, die Apple-Nutzer seit zwanzig Jahren kennen und die unter Linux bisher meist nur angedeutet wurde. Beim Minimieren stehen sechs handgebaute Effekte zur Wahl, vom klassischen Magic-Lamp-Sog bis zum CRT-Effekt, der das Fenster wie einen alten Röhrenfernseher ausschaltet. Dazu kommen 22 Klick-Animationen für die Icons, von dezentem Hüpfen bis zum kompletten 3D-Dreher.
Praktischer als die Effekte finde ich zwei andere Ideen. Die Chameleon-Engine liest die Farben des aktuellen Hintergrundbilds und passt das Dock automatisch an, von hell bis halbtransparent. Und der Floating-Modus lässt sich das Dock mit gebogenen Griffen von der Bildschirmkante wegziehen, mit einer elastischen Animation, die laut den Demo-Videos im GitHub-Repository eher nach Smartphone als nach Linux-Desktop aussieht. Fenster-Vorschauen beim Überfahren eines Icons und Ordner-Gruppen im Dock sind auch an Bord, sogar Emojis als Icon-Ersatz.
In fünf Minuten drauf, ganz ohne Terminal
Die Installation ist einsteigerfreundlicher, als der Begriff Shell-Extension klingt. Dhruva steht auf extensions.gnome.org bereit, der offiziellen Erweiterungs-Bibliothek des GNOME-Projekts, und unterstützt die Shell-Versionen 45 bis 50, also alles von Ubuntu 23.10 bis zu den aktuellen Distributionen. Am bequemsten geht es über die App Extension Manager, die auf vielen Systemen vorinstalliert ist: Dhruva suchen und installieren, fertig. Ein Terminal muss dafür niemand öffnen.

Rund 6.500 Downloads zählt die Extension dort bisher, auf GitHub stehen 160 Sterne. Das ist übersichtlich, aber die Entwicklung ist auffällig lebendig: Die letzten Fehlerkorrekturen wurden diese Woche eingepflegt, darunter ein Fix für ein Dock, das nach Vollbild-Fenstern versteckt blieb, und inzwischen reichen auch fremde Entwickler Verbesserungen ein. Für ein Projekt, das erst seit März existiert, ist das ein gesundes Zeichen.
Mich freut an so einem Projekt weniger das Dock als das Signal dahinter. Zweckbau-Ästhetik war jahrelang das heimliche Gegenargument beim Linux-Umstieg, schön war immer woanders. Wenn die verspieltesten Desktop-Ideen inzwischen aus der Open-Source-Ecke kommen, gebaut von jemandem, der es einfach hübsch haben will, hat sich da leise etwas gedreht.
Verspieltheit ist hier das Feature, nicht der Bug
Getestet habe ich Dhruva noch nicht. Bei einer Version 11 eines Fünf-Monate-Projekts würde ich mit gelegentlichen Macken rechnen. Auch die Frage, was der Animations-Aufwand auf schwächeren Rechnern kostet, muss ein richtiger Test klären.

Trotzdem lande ich bei einer Empfehlung zum Ausprobieren. Wer seinen Linux-Desktop als reines Arbeitsgerät sieht, bleibt bei Dash to Dock und wird glücklich. Wer aber von macOS kommt und das Dock-Gefühl vermisst, oder wer nach dem Umstieg auf ein neues System einfach Freude am Einrichten hat, bekommt mit Dhruva das derzeit ambitionierteste GNOME Dock. Und sollte der Entwickler die Qualität halten, reden wir in einem Jahr nicht mehr über einen Geheimtipp.





